Ohne Zweifel ist das Sefer haSohar (Buch des Glanzes) das bedeutendste Werk der Kabbalah. Trotzdem empfiehlt es sich für Anfänger nicht gerade als Einstieg. Wer noch nie etwas von der Kabbalah gehört hat, ist mit dem Studium des Sohar denkbar schlecht beraten. Kabbalah - von den meisten Menschen noch immer als "jüdische Geheimlehre" bezeichnet - ist nämlich weder eine Religion, noch hat sie mit irgendeinem "Glaubenssystem" zu tun. Kabbalah ist die "Wissenschaft der verborgenen Bereiche unserer Wirklichkeit" (Definition von Rabbi Michael Laitman).
Für ein wirklich fruchtbares Studium des Sohar empfiehlt sich deshalb eine systematische Herangehensweise. Diejenigen, die sich zwar nicht als jüdisch definieren, aber trotzdem am tiefsten jüdischen Wissen interessiert sind, sollten sich zunächst mit den Schriften Friedrich Weinrebs vertraut machen (Sehr empfehlenswert ist z. B. sein Grundlagenwerk "Schöpfung im Wort"). Im Anschluss kann man sich die Bücher Michael Laitmans einverleiben, z. B. sein Buch "Quantum Kabbala". Und erst wenn sich dieser Stoff so halbwegs gesetzt hat, kann man sich dem eigentlichen Quellmaterial wie z. B. dem Sefer Yetzirah (Buch der Formung) in der Interpretation von Aryeh Kaplan oder dem Sohar zuwenden.
Die vorliegende Ausgabe des Sohar, die Ernst Müller aus dem Aramäischen und Hebräischen übertragen hat, ist bemerkenswert gut gelungen, wenngleich ihr etliche Handschriften fehlen, ganz einfach, weil Müller keinen Zugriff auf sie hatte. Nichtsdestotrotz ist die Fülle des Materials, die Müller sehr präzise ins Deutsche übersetzt hat, bemerkenswert.
Das Buch gliedert sich in fünf große Abschnitte:
1. Kabbalah und Sohar
2. Preis der Torah
3. Schöpfungslehre, Weltenplan
4. Das Menschenreich
5. Kultus und Ritus
Inhaltlich möchte ich nicht darauf eingehen, weil ich der Auffassung bin, dass es mir bei diesem heiligen Buch ohnehin nicht zusteht. Umso mehr sollte das Vorwort gewürdigt werden, wo Müller z. B. auf das immer noch nicht gänzlich aufgehellte ursprüngliche Verhältnis der Kabbalah zum TaNaKh (Die Hebräische Bibel) eingeht. Sehr aufschlussreich sind auch die von ihm aufgezeigten Querverbindungen zwischen dem Sohar und dem Sefer Yetzirah, sowie sein Hinweis, dass im Zentrum der Weltenwirkungen immer der Mensch als Konzentrationspunkt der wirkenden Schöpferkräfte steht, mit seinem eigenen Erlösungsweg und einer erlösenden Weltmission.