Das Buch ist nüchtern, sachlich, im Stil einer Reportage geschrieben und höchst interessant. Es erscheint aus heutiger Sicht fast unglaublich, was sich in Verlag und Redaktion des politisch eher links einzuordnenden Magazins "Stern" Ende der 1970er Jahre bis zum Aufdecken der Fälschung 1983 abgespielt hat. Eine Mischung aus Sensationslust, maßloser Geldgier und dieser seltsamen Faszination bezüglich allem, was mit Hitler und seinem monströsem Terrorregime zu tun hatte, machte den größten Medienskandal der Bundesrepublik Deutschland erst möglich. Fast möchte einem die Hauptperson, Reporter Heidemann, als betrogener Betrüger leid tun, kann man doch den Eindruck gewinnen, daß er wirklich an die Echtheit der Tagebücher geglaubt hat bzw. glauben wollte und vollkommen geschockt war, als die Wahrheit ans Licht kam.
Wenn man allerdings über Heidemanns "Nazi-Tick" nachdenkt, der darin gipfelte, die ehemalige Yacht von Hermann Göring zu kaufen und auf dieser Sitzungen abzuhalten, wo man in verklärten Erinnerungen der NS-Zeit schwelgte und die menschenverachtenden Greueltaten dieser Terrorherrschaft ausblendete, ist das schon sehr befremdlich und man fragt sich, wie Redaktion und Verlagsleitung vom "Stern" so etwas dulden oder sogar aktiv unterstützen konnten. Das Buch ist nicht nur für angehende Journalisten eine Empfehlung!