The Sicilian von Mario Puzo habe ich begeistert gelesen. Dann bin ich auf den Film aufmerksam geworden und habe mich nicht durch die vernichtenden Kritiken abschrecken lassen. Welch ein Fehler!
Christopher Lambert als Giuliano ist eine totale Fehlbesetzung und er wird der Rolle nicht gerecht. Statt Turi als bescheidenen, mitfühlenden Gerechtigkeit suchenden Outlaw darzustellen, spielt Lambert einen arroganten, mitunter manischen, tanzenden Gigolaverschnitt. Sein Tonfall, seine Mimik ist definitiv nicht das, was die Rolle fordert.
Die Handlung, der für den Film bearbeitete Plot scheint die Puzo-Vorlage großzügig zu ignorieren bzw. zu verdrehen. Beginnend bei der Expostition, Turis Zusammenstoß mit den Carabinieri, bei denen er lebensgefährlich verletzt wird. Was machen er und Aspanu bei der Herzogin und was soll in der ersten Viertelstunde die barbusige Herzogin in Badewanne?
Die Zusammenkunft und das Verhältnis zu Terranova und Passatempo weicht ebenfalls von der Vorlage ab und wirkt im Film nicht schlüssig.
Aber der nächste richtig große Hammer ist die Liaison mit der Herzogin. Turi, der nur mit La Venera (wird nicht erwähnt) und später mit Justina nähere Verbindungen eingeht, wirft hier mal eben sämtliche seiner im Original entwickelten Charakterzüge über den Haufen. Mal eben wird Truman erwähnt. Völlig verdreht!
Was soll die Verlobung mit Giovanna? Wer ist das überhaupt? Silvio Ferras Schwester heißt Justina, hat schwarze und nicht rote Haare. Turi heiratet sie heimlich am Ende der Handlung. Vor der Heirat gibt es keine Beziehung.
Völlig verzichtet der Film auf die Rahmenhandlung. Michael Corleone wird nicht erwähnt, höchstens angedeutet. Das große Motiv, Turis Liebe zu seinen Eltern besonders zu seiner Mutter wird nicht erwähnt, obwohl dies elementar mit seinem Handeln verbunden ist. Im Film macht er den Witz, er würde seine Mutter erschießen. Grotesk!
Andere Abweichungen und Erfindungen wie die Erschießung Frisellas nicht durch Silvestro (als seine Bewährungsprobe) sondern durch Turi, oder Prinz Ollortos (im Film Borsa) Asthma- statt Diabetes-Erkrankung sind zu erwähnen und die Liste ließe sich erweitern.
Tragischer sind da noch die Unterschlagung des Testaments, welches ja Turis entscheidende Waffe ist und die Verdrehung der Ereignisse am Portella della Ginestra.
Puzo-Begeisterten und Godfather-Fans mit Hang zu intertextuellen Verweisen und einer gediegenen Portion Pathos ist von diesem Film definitiv abzuraten. Ganz gleich, ob man das Buch gelesen hat, der Film enttäuscht. Für Leser des Buches ist er gradezu eine Zumutung.