Man liest hier viele sehr schlechte Kritiken, nicht ganz zu Recht, wie ich finde, obwohl es kein wirklich gutes Buch ist. Aber man muss differenzieren. Die Idee, die dem Buch zugrunde liegt, gefällt mir sehr gut. Sie dürfte wohl jeden Freund von Verschwörungs- und sonstigen etwas abseitigen Ttheorien erfreuen. Das ganze wird unterlegt mit vielen Informationen, die zumindest dazu reizen, sich weiter mit dem Thema zu befassen, sofern man sich für soetwas interessiert.
Nun aber zur berechtigten Kritik: Das Buch ist einfach miserabel geschrieben. Erstens ist die vordergründige Handlung sehr unspannend, da es keine Überraschungen und auch keine Dramaturgie gibt. Die Spannung entsteht allein durch das antike Rätsel und die sich anbahnende Katastrophe, worüber der Leser gern mehr wissen möchte.
Zweitens sind die handelnden Personen sehr dürftig geschildert und bleiben Abziehbilder ohne eine differenzierte Charakterisierung. Gute Bücher benötigen aber nun einmal gute Charaktere mit Hintergrund, Vorlieben, Abneigungen... Das fehlt leider völlig. Ja, man sieht die Helden kaum einmal innehalten und einen Kaffee trinken. Atemlos hetzen sie durch die Geschichte und wir erfahren kaum etwas über ihre Persönlichkeiten.
Und Drittens gibt es einfach zuviele "Talking Heads". Alle die Informationen zum antiken Rätsel, die ich zu Beginn lobte, werden dozierend in Dialoge verpackt, die aber in den jeweiligen Situationen oft wenig plausibel sind, ja oft geradezu deplaziert wirken.
Vielleicht wäre das Buch doppelt so dick und doppelt so gut geworden, wenn man diese Story mit interessanten Charakteren bestückt und mit einer wirklich spannenden Erzählweise versehen hätte, die vielleicht auch noch den einen oder anderen Haken schlägt.
Manch miese Formulierung oder Wortwahl mag sicher an einer schlechten Übersetzung liegen, denn, wie man bei amazon.co.uk sehen kann, wird das Buch dort geringfügig besser bewertet als hier. Allerdings stören auch einige überflüssige Füllsätze, die spätestens der (englische) Lektor hätte streichen müssen, ohne dass man etwas vermisst hätte.
--SPOILER.--
Die Übersetzung kann auch gewiss nichts für den Mangel an Dramaturgie und die zum Teil einfach unplausiblen Szenen. Wer würde, wenn er verfolgt wird, ein Handytelefonat führen? Und, ist es wirklich möglich, dass eine Superwissenschaftlerin noch nie etwas von der Piri-Reis-Karte oder den Nazca-Linien gehört hat? Jedem Laien, der sich ein wenig interessiert, sind diese Dinge ein Begriff (auch wenn er kein "Verschwörungstheoretiker" ist).
Dies sind nur zwei Beispiele, wo ich mich über die Unwissenheit und Naivität der Helden sehr wundern musste - eine Unwissenheit, die sie natürlich stellvertretend für den (angenommenen) Leser zeigen, damit dann die nötigen Informationen eingebaut werden können. Aber hier wäre ein "allwissender Erzähler", eine geschickte Dialogentwicklung oder irgendeine andere Arten der Informationsvergabe besser gewesen.
Das Ende kommt dann viel zu schnell und leider sehr enttäuschend. Die Erwartungshaltung, die über das ganze Buch aufgebaut wird, wird nicht erfüllt. Da hätte ich als (rein literarischer) Katastrophenfreund doch weit mehr erwartet: Mindestens einen kleinen Weltuntergang, einen Ufobesuch oder eine globale Katharsis und Erleuchtung der Menschheit u.ä... Aber, nein, es ist wieder mal so wie meistens: Was nicht sein kann, das nicht sein darf und die vertraute Alltagswelt bleibt vorerst unerschüttert. Schade.
--SPOILER_ENDE.--
Aber trotzdem gebe ich insgesamt eine verhaltene Leseempfehlung mit drei Sternen, denn wenn man über die wirklich groben Schwächen hinwegsieht und sich ein wenig für abseitige Theorien interessiert, kann das Buch durchaus mit Gewinn + Spaß gelesen werden.