Lloyd Alexander, Schöpfer des berühmten Taran-Zyklus, hat in den 80er Jahren eine weitere Arbeit abgeliefert, der die verdiente Beachtung versagt geblieben ist - die Westmark-Trilogie. Bastei Lübbe hat diesen vergessenen literarischen Schatz geborgen und erstmals der deutschsprachigen Öffentlichkeit vorgelegt.
Die Westmark-Trilogie ist ein ganz und gar unmagisches Stück, dem auch, der Umschlaggestaltung zum Trotz, keinerlei Geruch klassischer Fantasy anhaftet. Die Abenteuer des Setzerjungen Theo, der zu weit Größerem berufen ist, sind in einer fiktiven Welt angesiedelt, die es so vielleicht im 18. Jahrhundert in Europa gegeben haben könnte. Politik, Intrigen, Romantik und ein nie versiegendes Feuer der Revolution sind die Zutaten für eine Geschichte, die sich um Sein und Schein der Gesellschaft, um echte Masken und falsche Freunde dreht. Die Figuren, allen voran Theo, sind vielschichtig - niemand hat nur eine Seite, Siege schmecken schal und nach Blut, Niederlagen können auch ihr Gutes haben. Gibt es die ideale Staatsform? Ist Monarchie auf jeden Fall schlecht und die Republik um jeden Preis gerechtfertigt? Wie steht es mit der Macht? Keine einfachen Fragen, auf die keine eindimensionalen Antworten zu erwarten sind.
Die drei Bände regen durchaus dazu an, über Sinn und Unsinn des Tuns der Mächtigen zu sinnieren - und auch dazu, der Politik als solcher mit gehöriger Skepsis zu begegnen. Da sie zudem mit ironischer Leichtigkeit geschrieben sind und auch als spannende Schmöker bestens funktionieren, können sie der Leserschaft ab 14 (der Blutzoll ist doch mitunter sehr hoch) als staatsbürgerkundliches Infotainment ans Herz gelegt werden.