Das erste Buch des Autors, das ich gelesen habe, Lewis Reise (über die schwedische Pfingstbewegung) war für mich hauptsächlich des Themas wegen interessant. Enquist selbst sagte mir zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Bei diesem zweiten Buch hatte es schon mehr mit dem Autor selbst zu tun, als mit dem Thema, über das er schreibt. Es ist ein gänzlich anderes, als beim ersten. Trotzdem sind die Parallelen nicht zu übersehen. Beide Bücher erzählen ihre Geschichte von einem Ich-Erzähler aus, in beiden geht es um eine enge Beziehung zwischen zwei Menschen.
Wovon aber handelt dieses Buch? Das in ein paar wenige Sätze zu packen ist schwer. Es handelt vom Schweden der 30er und 40er Jahre, vom Sozialismus, von der Arbeiterbewegung, die in diesen Jahren dort entstand, von der damit verbundenen Arbeitersportbewegung, vom Sport allgemein, von der verunglückten, weil nie wirklich in die Tat und Verantwortung umgesetzten Liebe zu einer Frau, aber vor allem von der Beziehung eines Sohnes zu seinem Vater, der in dieser Zeit ein bekannter Hammerwerfer wurde. Daß die Karriere des Vaters durch einen Betrug ' er hatte seinen Hammer um 400g leichter gemacht, um damit einen neuen Rekord zu erzielen ' der schließlich aufflog, ein jähes Ende nahm, hinterläßt tiefe Spuren in der Psyche und im Leben des Erzählers.
Es ist nicht das Was, sondern das Wie, das dieses Buch für mich so anrührend schön machte. Enquist beweist bei all seinem erstaunlichen Detailwissen in den Gebieten, mit denen er sich in seinen Romanen beschäftigt, einen Tiefgang, eine Einfühlsamkeit in seine Charaktere, eine poetische und schöne Sprache, die ihn für mich zu einem der ganz großen Erzähler macht. Er hat es verstanden, in mir persönlich, in meiner Seele etwas zum Klingen zu bringen, was nur wenigen Autoren, wie z.B. Alexander Solschenyzin oder Manfred Hausmann, gelang. Deshalb wird dieses Buch für mich sicherlich nicht das Letzte sein, das ich von ihm gelesen habe.