Völlig schwach im Vergleich zur Pro7 Verfilmung von 2008.
Vollig schwach im Vergleich zur ZDF Verfilmung von 1973.
Total daneben zur genialen Romanvorlage von Jack London.
Dinge, die die Welt nicht braucht - unnötige Neuverfilmungen!
Leider ist das Drehbuch voll von sinnbefreiten und somit überflüssigen Abweichungen von der Romanvorlage.
Zugegeben - nicht immer sind Romanvorlagen filmtauglich, in so einem Fall sind Abänderungen durchaus sinnvoll.
Die hier verbrochenen Änderungen verwandeln allerdings eine 1A Romanvorlage in eine beliebige und leider weichgespülte "Männer auf See" TV-Einschaltquotenstory nach US-Seifenopern-Art. Von der bedrückenden Enge der Romanvorlage weit entfernt. (Übrigens gut wiedergegeben in der Pro7 Verfilmung)
Das fängt in der beschriebenen ZDF Neuverfilmung von 2009 schon mit unnötigen Änderungen im Handlungsstrang an:
Nur als Beispiel, derartige Dinge ziehen sich durch das gesamte Drehbuch. (Von dem neukreierten Beziehungsgeflecht möchte ich erst gar nicht reden, dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein.)
Im Roman überlebt der Schriftsteller Humphrey van Weyden den Untergang der Dampffähre "Martinez" und kommt so als Schiffbrüchiger an Bord des Robbenfängers "Ghost". In der vorliegenden Verfilmung spart man sich den Untergang der Martinez erst einmal ganz. Der Protagonist fällt schlicht und einfach unerwartet und extravagant über Bord. Warum? Aus Prinzip - Hauptsache Vorlage verändern, sonst ist das Drehbuch langweilig? Oder etwa Kostengründe? Im ZDF-Vierteiler von 1973 konnte der Zuschauer durch gekonnte Kameraführung und Einstellung den Untergang auch so hautnah miterleben (ohne aufwendige Computeranimation oder versenkten Raddampfer). Das Ganze kostete wahrscheinlich nicht mehr als jeder andere normale Drehtag auf See. (Und davon haben die meisten Verfilmungen des Stoffes reichlich).
Doch die Änderungen gehen auch tiefer, und dabei wechselt die Geschichte die Ebenen von der Weltliteratur zum Trivialroman. Wenn man im Roman Wolf Larsen erst nach und nach erfassen kann, ja, ihn sich erst "erabeiten muss", wird uns hier gleich klargemacht: der Mann ist gebildet aber brutal und damit basta. (Bezieht sich auf das Drehbuch, nicht auf den Schauspieler)
Während die beiden Kontrahenten im Roman zwei gegensätzliche, seit Ewigkeit gültige Wahrheiten verkörpern und leben, sich dabei gegenseitig ihrer Lebenslügen enttarnen und nebenbei die gesamte Atmosphäre immer mehr verdichten, prallen hier einfach nur zwei Männer aufeinander, von denen mindestens einer eine "schlimme Kindheit" vermuten lässt, und das dann actionreich ausfechtet. Das nennt sich dann "tiefsinnig" mit "neuentdeckten Facetten und Blickwinkeln".
Im Original stoßen zwei Prinzipien aufeinander - Idealismus versus Materialismus, erzählt im Rahmen eines See-Abenteuers. In diesem Drehbuch muss ein farbloser Schriftsteller gegen einen gebildeten, intelligenten, aber brutalen Kapitän bestehen, also reduziert sich das Ganze auf ein mit der Dampfhammermethode psychologisiertes Seeabenteuer.
Fazit - Jack London würde über Bord springen!
Man kann hier den Eindruck haben, nicht der Roman diente als Vorlage, sondern die bereits trivialisierten amerikanischen Drehbücher (z.B.:
The Sea Wolf) wurden erneut weichgespült - das muß man nicht haben wollen.
Wer den Roman verfilmt sehen möchte, der sollte sich unbedingt die Pro7 Version von 2008 zu Gemüte führen.
Der Seewolf [2 DVDs]
Eine Version, die die Vorlage erweitert, ohne ihren Sinn und Charakter zu verändern, findet man im legendären ZDF - Vierteiler von 1973
Der Seewolf (remastered, 2 DVDs) - Die legendären TV-Vierteiler