Welche neuen Arbeitsformen bietet das Internet? Zum Beispiel: dezentrales Miteinander ohne die Nachteile einer klassischen Organisation inkl. Klatsch und störender Chemie zwischen den Menschen. Das Ergebnis heute: frei floatende Kreativität aller. Alle wollen teilhaben und mitmachen. Dies ungeheurere Revolution des Arbeitens verändert so vieles und stellt traditionelle Denkweisen auf den Kopf. Dieses Buch erklärt die dahinter liegenden Wirk-Mechanismen. Einem Seestern wachsen immer wieder Beine nach, wenn eines abgetrennt wird, eine Spinne stirbt, wenn man den Kopf abschneidet. Dieser Vergleich aus dem Tierreich erklärt den Titel und die inhaltliche Ausrichtung des Buches. in gewisser Weise sind die Ausführungen eine Weiterführung des Buches "Die Weisheit der Vielen" in das Internetzeitalter. Warum arbeiten Gruppen im Internet so hervorragend zusammen und wie strukturieren sie sich? Warum sind diese Strukturen besser als herkömmlich hierarchisch, führerzentrierte Organisationen? Diese Fragen werden unterhaltsam, verständlich und spannend lesbar vermittelt.
Menschen, die sich in Communities im Internet organisieren, sind Katalysatoren für Erfolge, die weit jenseits möglicher Monologkommunikation klassischer Werbung liegen. Die Beschreibung der Charakteristika dieser Katalysatoren ist ein zentraler Bereich dieses Buches, der mich besonders gefesselt hat. Wichtig sind für solche Katalysatoren z.B. folgende Aspekte: 1. Aufrichtiges Interesse an anderen; 2. Das Bedürfnis zu helfen; 3. Begeisterung; 4. Emotionale Intelligenz; 5. Toleranz für Zweideutigkeit; 6. Lange Leine; 6 Sich zurücknehmen etc. Im Unterschied dazu sehen klassische Manager eher alt bzw. unflexibel aus, sie müssen dieses neue, dezentrale Arbeiten erst noch lernen, man löst sich als CEO nur schwer von machtvollen, traditionellen Vorgaben. Das Buch wird in Kapitel 9 unter der Überschrift "Die neue Welt" treffend zusammengefasst: mit 10 Regeln, die alleine wert wären, dieses Buch zu kaufen.
Brafman und Beckström schreiben im Stil amerikanischer Erfolgsbücher: mit vielen konkreten Beispielen. Alles ist gut, alles berücksichtigt? Keinesfalls. Weil die Autoren m.E. einem Trugschluss aufsitzen. Sie schreiben irgendwo, dass man mit Tätigkeiten wie Wikipedia, Apache etc. noch kein Geld verdienen könne, man es mehr oder weniger freiwillig mache, ohne Tauschinteressen. Falsch, ganz falsch, wenn man auch nur einigermaßen wach im Internet unterwegs ist, weiß man, dass Menschen mit dem in Stufe 1 erworbenen Wissen mutig eigene Firmen gründen und damit am Markt aktiv werden, Geld verdienen, entweder alleine oder als Teil einer Community. Sie wollen mit diesen Einnahmen auch ein Auskommen haben, entwickeln langsam ein Gefühl für den Tausch-Wert ihrer Tätigkeiten. Die dahinter liegende Revolution, der Angriff auf den Kapitalismus in seiner aktuellen, egoistischen Ausprägung, wird in diesem Buch nicht erfasst. Tatsächlich soll es eher bestehende (hierarchisch strukturierte) Firmen darüber aufklären, wie man eine Mischung bestehender Organisationen mit dem neuen, dezentralen Denken bzw. Kooperationen erreichen könnte. Es reflektiert den Begriff "Crowdsourcing" , erkennt aber noch nicht, dass Menschen im Internet mehr erhalten wollen als ein kleines Taschengeld. Trotzdem ist das Buch für mich 5 Sterne wert, es beschreibt die aktuellen Mechanismen des Internet-Arbeitens treffend und ist eine hervorragende Diskussionsbasis zur Veränderung. Es hat nicht ganz die Kraft des Cluetrain Manifests, ist aber eine Verknüpfung, eine Konkretisierung der dort skizzierten Entwicklungen.