Gebraucht kaufen
Gebraucht - Sehr gut Informationen anzeigen
Preis: EUR 4,95

oder
 
   
Jetzt eintauschen
und EUR 0,10 Gutschein erhalten
Eintausch
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Der Seelenfänger: Roman [Taschenbuch]

Alexandra Sokoloff , Andrea Brandl


Erhältlich bei diesen Anbietern.


‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Schauerlich … ein echter Page-Turner!“ (Library Journal)

Klappentext

"Schauerlich ... ein echter Page-Turner!" Library Journal

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Alexandra Sokoloff, gebürtig aus Kalifornien, hat viele Jahre als Schauspielerin, Sängerin und Dramaturgin gearbeitet, bevor sie nach Los Angeles ging, um sich als Drehbuchautorin einen Namen zu machen. Ihr nächster Roman ist bereits in Arbeit.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Tiefster Winter. Schneeflocken fallen sternengleich vom Himmel, der sich wie eine Kuppel über die Nacht spannt. Das wirbelnde weiße Chaos verschluckt alle Geräusche.
Keine Menschenseele ist heute Nacht dort draußen. Ganz Boston schläft, während der Sturm unablässig tobt .
Doch unter all dem Eis schlägt ein großes Herz, das niemals still steht.
Unter all dem fallenden Schnee erstreckt sich ein riesiger Komplex wie eine gefrorene Spinne, die unter den weißen Massen verborgen liegt - das architektonische Meisterwerk des Briarwood Medical Center, ein Zusammenschluss von sechs hochmodernen, symbiotisch miteinander verbundenen Kliniken. Labyrinthartige unterirdische Gänge und Glasbrücken über den vom Schnee befreiten Straßen vereinen sich mit weißen Marmorgebäuden im dorischen Stil des alten Massachusetts Bay Medical College, den dunklen Ziegelsäulen des Mercy und den eleganten Kurven des Briarwood Children's Medical. Krumme Korridore schlängeln sich durch gotische Bögen, durch klassisch-koloniale wie klare rechteckige Strukturen und bilden ein atemberaubendes futuristisches Konstrukt.
Im Inneren des Krankenhauses herrscht eine eigentümliche Stille wie in einem Vakuum. Fluoreszierendes Licht erhellt die Korridore. Pflegepersonal geht gemessenen Schrittes umher, benommene, verträumt dreinblickende Patienten in Morgenmänteln bewegen sich langsam an den geöffneten Türen abgedunkelter Krankenzimmer vorbei. Vor den Fenstern treiben die Flocken und schlagen geräuschlos gegen die Scheiben.
In den Tiefen des Labyrinths bewegt sich ein Mann durch die endlosen Korridore - groß und dunkel, ein markanter Schatten vor dem Weiß der Wände.
Er ist hier zu Hause. Seine Bewegungen sind flüssig und ohne jede Eile, sein kantiges Gesicht hat einen entschlossenen, nachdenklichen Ausdruck.
Die Korridore winden und schlängeln sich durch den Komplex und ziehen den Mann immer weiter in die Tiefen des Krankenhauses hinein, vorbei an Stationen mit verletzten und unheilbar Kranken, die an ihre Betten gefesselt sind. Den Mann umgibt ein stetiges Pulsieren, der Herzschlag des Krankenhauses: Herz-Lungen-Maschinen, die die mühsamen Atemzüge erleichtern, leises schmerzerfülltes Stöhnen, stilles Schluchzen ... und ein unablässiges Flüstern, anfangs kaum hörbar, doch immer lauter werdend ...
Der Mann legt den Kopf schief und lauscht.
Das Geräusch um ihn herum schwillt an ...die Gebete der Angehörigen, die Wache halten ... das Flehen in allen möglichen Sprachen ... einander überschneidend ... wellenförmig anschwellend und wieder verebbend ... durch den Zorn, durch die Tränen hindurch:
Bitte, Gott... bitte, hilf ihr... bitte, lass ihn nicht sterben... Dear Lord... Signor, aiutami... Jesus, hörst du mich...
Der dunkle Mann schließt die Augen, lauscht der Musik der Stimmen. Dann verhärten sich seine Züge. Seine Augen öffnen sich, die Pupillen verengen sich auf die Größe von Stecknadelköpfen, während der laute, entschlossene Schwur durch die Korridore hallt:
Ich würde alles tun.

Tief im Herzen des Briarwood Children's Medical - vielleicht war es auch das Carver Women's - die Kliniken von Briarwood gingen mittlerweile so fließend ineinander über, dass man sie manchmal nicht mehr auseinanderhalten konnte - erstreckte sich ein langer Korridor, der während der Wintermonate nur selten genutzt wurde.
Auf der einen Seite verlief eine Glasfront, die den Blick auf den Krankenhausgarten freigab - der jetzt, Mitte März, nichts als eine arktische Ödnis mit kahlen, wie Skelette in den Himmel ragenden Bäumen war. Auf der anderen Seite führten gewölbte Holztüren in die Krankenhauskapelle. Obwohl die Türen nicht auf den ersten Blick erkennbar waren, fand sich eine beachtliche Menschenmenge dort ein, auf fast magische Weise angezogen während ihrer verzweifelten mitternächtlichen Wanderungen durch den Irrgarten.
Die Kapelle war klein und düster, mit vier hölzernen Bankreihen und einer niedrigen Plattform, die als Podium diente. Und es war kalt, als würde die drückende Wärme des überheizten Krankenhauses nicht bis hier nach unten vordringen. Auf einer Bank in der Mitte des Raums saß Will Sullivan allein in der Stille. Er war ein gut aussehender Mann - in dieser klassischen, für Amerika so einzigartigen Mischung aus Filmstar-Eleganz und schroffer Natürlichkeit -, doch im Moment wirkte er zehn Jahre älter als zweiundvierzig. Trotz seiner Größe von über einem Meter achtzig war er gebeugt wie ein alter Mann, mit tiefliegenden graublauen Augen und sorgenvoller Miene.
Er hatte seine trockenen Hände ineinander verkrallt, als wollte er beten, und versuchte, aufrecht zu sitzen, auch wenn es ihm schwerfiel. Er war völlig erschöpft, wie wund von all der Anstrengung. Er fühlte sich, als könnte er seit Tagen, Wochen oder gar Monaten nicht mehr genau sagen, ob er schlief oder wach war.
Hinter dem Podium im vorderen Teil der Kapelle befand sich ein Buntglasfenster mit einem leicht kubistisch anmutenden Jesus Christus als Hirten, der über seine Schafe wachte. An einer Wand hing ein hölzernes Rad mit gezeichneten Symbolen der Weltreligionen. Darunter ein Bücherregal, in dem sich Band an Band religiöser Schriften reihte, während auf einem Seitenaltar Votivkerzen in roten Glasbehältern flackerten.
Mit trüben Augen betrachtete Will das Glasfenster vor sich, aus dem scheinbar willkürlich in Schwarz geschriebene Worte wie ein geheimer Code aufflammten. Für den Bruchteil einer Sekunde ertappte er sich dabei, wie er über den Sinn des Satzes grübelte.

DER HERR IST MEIN LICHT UND MEIN HEIL: VOR WEM SOLLTE ICH MICH FÜRCHTEN?

Will starrte noch eindringlicher auf die Schrift, gefangen von den letzten Worten, die sich von den anderen abhoben, düster und grimmig.
MICH FÜRCHTEN
Er fröstelte in der unbeheizten Kapelle.
Ein Schatten glitt neben ihn. Erschrocken fuhr Will herum.
Ein pausbäckiger Kaplan mit graumeliertem Haar stand in der Tür und blickte ihn fragend an.
"Kann ich Ihnen helfen?"
Will musterte flüchtig das beflissene, runde Gesicht des Kaplans, den zerknitterten Anzug mit dem allzu engen Kragen um den feisten Hals des Geistlichen. Reflexartig schüttelte Will den Kopf. "Nein. Danke."
Der Kaplan zögerte, doch als Will sich wieder dem Podium zuwandte, verschwand er durch die Seitentür.
Will blieb sitzen und hörte zu seiner Überraschung seine eigene laute Stimme in der Stille.
"Gott."
Verwirrt hielt er inne. Gott und wie weiter?
Seine erschöpften Gedanken durchforsteten die Erinnerungen an sonntägliche Gottesdienste: prachtvolle Kathedralen mit Gläubigen im Sonntagsstaat, Mitternachtsmessen in irischen Kirchen mit Spitzenvorhängen an den Fenstern, Totenwachen, Taufen, Wohltätigkeitsbasare ... alles Säulen des Politikerlebens seines Vaters.
In Schützengräben gibt es keine Atheisten. Und auf Wahlkampftourneen ebenso wenig.
Aber Glaube? Aufrichtiger Glaube?
Hatte Wills Vater jemals aufrichtig geglaubt?
Und er selbst?

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Tiefster Winter. Schneeflocken fallen sternengleich vom Himmel, der sich wie eine Kuppel über die Nacht spannt. Das wirbelnde weiße Chaos verschluckt alle Geräusche.Keine Menschenseele ist heute Nacht dort draußen. Ganz Boston schläft, während der Sturm unablässig tobt .Doch unter all dem Eis schlägt ein großes Herz, das niemals still steht.Unter all dem fallenden Schnee erstreckt sich ein riesiger Komplex wie eine gefrorene Spinne, die unter den weißen Massen verborgen liegt - das architektonische Meisterwerk des Briarwood Medical Center, ein Zusammenschluss von sechs hochmodernen, symbiotisch miteinander verbundenen Kliniken. Labyrinthartige unterirdische Gänge und Glasbrücken über den vom Schnee befreiten Straßen vereinen sich mit weißen Marmorgebäuden im dorischen Stil des alten Massachusetts Bay Medical College, den dunklen Ziegelsäulen des Mercy und den eleganten Kurven des Briarwood Children's Medical. Krumme Korridore schlängeln sich durch gotische Bögen, durch klassisch-koloniale wie klare rechteckige Strukturen und bilden ein atemberaubendes futuristisches Konstrukt.Im Inneren des Krankenhauses herrscht eine eigentümliche Stille wie in einem Vakuum. Fluoreszierendes Licht erhellt die Korridore. Pflegepersonal geht gemessenen Schrittes umher, benommene, verträumt dreinblickende Patienten in Morgenmänteln bewegen sich langsam an den geöffneten Türen abgedunkelter Krankenzimmer vorbei. Vor den Fenstern treiben die Flocken und schlagen geräuschlos gegen die Scheiben.In den Tiefen des Labyrinths bewegt sich ein Mann durch die endlosen Korridore - groß und dunkel, ein markanter Schatten vor dem Weiß der Wände.Er ist hier zu Hause. Seine Bewegungen sind flüssig und ohne jede Eile, sein kantiges Gesicht hat einen entschlossenen, nachdenklichen Ausdruck.Die Korridore winden und schlängeln sich durch den Komplex und ziehen den Mann immer weiter in die Tiefen des Krankenhauses hinein, vorbei an Stationen mit verletzten und unheilbar Kranken, die an ihre Betten gefesselt sind. Den Mann umgibt ein stetiges Pulsieren, der Herzschlag des Krankenhauses: Herz-Lungen-Maschinen, die die mühsamen Atemzüge erleichtern, leises schmerzerfülltes Stöhnen, stilles Schluchzen ... und ein unablässiges Flüstern, anfangs kaum hörbar, doch immer lauter werdend ...Der Mann legt den Kopf schief und lauscht.Das Geräusch um ihn herum schwillt an ...die Gebete der Angehörigen, die Wache halten ... das Flehen in allen möglichen Sprachen ... einander überschneidend ... wellenförmig anschwellend und wieder verebbend ... durch den Zorn, durch die Tränen hindurch:Bitte, Gott... bitte, hilf ihr... bitte, lass ihn nicht sterben... Dear Lord... Signor, aiutami... Jesus, hörst du mich...Der dunkle Mann schließt die Augen, lauscht der Musik der Stimmen. Dann verhärten sich seine Züge. Seine Augen öffnen sich, die Pupillen verengen sich auf die Größe von Stecknadelköpfen, während der laute, entschlossene Schwur durch die Korridore hallt:Ich würde alles tun.Tief im Herzen des Briarwood Children's Medical - vielleicht war es auch das Carver Women's - die Kliniken von Briarwood gingen mittlerweile so fließend ineinander über, dass man sie manchmal nicht mehr auseinanderhalten konnte - erstreckte sich ein langer Korridor, der während der Wintermonate nur selten genutzt wurde.Auf der einen Seite verlief eine Glasfront, die den Blick auf den Krankenhausgarten freigab - der jetzt, Mitte März, nichts als eine arktische Ödnis mit kahlen, wie Skelette in den Himmel ragenden Bäumen war. Auf der anderen Seite führten gewölbte Holztüren in die Krankenhauskapelle. Obwohl die Türen nicht auf den ersten Blick erkennbar waren, fand sich eine beachtliche Menschenmenge dort ein, auf fast magische Weise angezogen während ihrer verzweifelten mitternächtlichen Wanderungen durch den Irrgarten.Die Kapelle war klein und düster, mit vier hölzernen Bankreihen und einer niedrigen Plattform, die als Podium diente. Und es war kalt, als würde die drückende Wärme des überheizten Krankenhauses nicht bis hier nach unten vordringen. Auf einer Bank in der Mitte des Raums saß Will Sullivan allein in der Stille. Er war ein gut aussehender Mann - in dieser klassischen, für Amerika so einzigartigen Mischung aus Filmstar-Eleganz und schroffer Natürlichkeit -, doch im Moment wirkte er zehn Jahre älter als zweiundvierzig. Trotz seiner Größe von über einem Meter achtzig war er gebeugt wie ein alter Mann, mit tiefliegenden graublauen Augen und sorgenvoller Miene.Er hatte seine trockenen Hände ineinander verkrallt, als wollte er beten, und versuchte, aufrecht zu sitzen, auch wenn es ihm schwerfiel. Er war völlig erschöpft, wie wund von all der Anstrengung. Er fühlte sich, als könnte er seit Tagen, Wochen oder gar Monaten nicht mehr genau sagen, ob er schlief oder wach war.Hinter dem Podium im vorderen Teil der Kapelle befand sich ein Buntglasfenster mit einem leicht kubistisch anmutenden Jesus Christus als Hirten, der über seine Schafe wachte. An einer Wand hing ein hölzernes Rad mit gezeichneten Symbolen der Weltreligionen. Darunter ein Bücherregal, in dem sich Band an Band religiöser Schriften reihte, während auf einem Seitenaltar Votivkerzen in roten Glasbehältern flackerten.Mit trüben Augen betrachtete Will das Glasfenster vor sich, aus dem scheinbar willkürlich in Schwarz geschriebene Worte wie ein geheimer Code aufflammten. Für den Bruchteil einer Sekunde ertappte er sich dabei, wie er über den Sinn des Satzes grübelte.DER HERR IST MEIN LICHT UND MEIN HEIL: VOR WEM SOLLTE ICH MICH FÜRCHTEN?Will starrte noch eindringlicher auf die Schrift, gefangen von den letzten Worten, die sich von den anderen abhoben, düster und grimmig.MICH FÜRCHTENEr fröstelte in der unbeheizten Kapelle.Ein Schatten glitt neben ihn. Erschrocken fuhr Will herum.Ein pausbäckiger Kaplan mit graumeliertem Haar stand in der Tür und blickte ihn fragend an."Kann ich Ihnen helfen?"Will musterte flüchtig das beflissene, runde Gesicht des Kaplans, den zerknitterten Anzug mit dem allzu engen Kragen um den feisten Hals des Geistlichen. Reflexartig schüttelte Will den Kopf. "Nein. Danke."Der Kaplan zögerte, doch als Will sich wieder dem Podium zuwandte, verschwand er durch die Seitentür.Will blieb sitzen und hörte zu seiner Überraschung seine eigene laute Stimme in der Stille."Gott."Verwirrt hielt er inne. Gott und wie weiter?Seine erschöpften Gedanken durchforsteten die Erinnerungen an sonntägliche Gottesdienste: prachtvolle Kathedralen mit Gläubigen im Sonntagsstaat, Mitternachtsmessen in irischen Kirchen mit Spitzenvorhängen an den Fenstern, Totenwachen, Taufen, Wohltätigkeitsbasare ... alles Säulen des Politikerlebens seines Vaters.In Schützengräben gibt es keine Atheisten. Und auf Wahlkampftourneen ebenso wenig.Aber Glaube? Aufrichtiger Glaube?Hatte Wills Vater jemals aufrichtig geglaubt?Und er selbst?
‹  Zurück zur Artikelübersicht