Dies war mein erstes Buch von Kristin Hannah und ich muss wirklich sagen, dass diese Frau ein Talent dafür hat, ihre Leser emotional zu bewegen.
Mit "Der See der Träume" hat man keine normale Liebesgeschichte vor sich, sondern man lernt eine Frau kennen, die aus ihrem Leben als Frau eines erfolgreichen Anwalts und Mutter einer Tochter am Rande des Erwachsenwerdens plötzlich realisiert, dass sie kein ICH mehr ist, sondern seit zwanzig Jahren nur noch ein WIR.
Feststellen muss sie dies, als ihr Mann ihr mitteilt, dass er sie zu verlassen gedenke, um mit einer jüngeren Frau zusammen zu leben - das alte Klischée. Kein Wunder, dass Annie in ein tiefes Loch fällt, ist es doch diesmal sie selbst, um die sie sich kümmern müsste und das hat sie nie gelernt. Bezeichnend, aber dennoch rührend und wundervoll ist dann auch der Weg der Heilung den sie beschreitet, doch lesen Sie selbst...
Während des ganzen Buches über musste ich mich stets fragen, wie Hannah es nur schafft, mich ständig an den Rand der Tränen zu bringen. Eigentlich ist Annie ja selbst Schuld daran, dass ihr eigenständiges Selbst irgendwann verschwand - oder vielleicht auch nie wirklich existiert hat. Doch Annie ist auch eine Frau, die man wirklich mögen muss und so leidet man mit ihr und freut sich, wenn sie nach und nach zu einer stärkeren Frau wird und eine neue, gesündere Balance im Leben findet.
Bis hierhin wäre es ein durchschnittlicher Liebes - oder eher noch Frauenroman. Doch im letzten Drittel des Buches lässt die Autorin das Schicksal noch einmal heftig zuschlagen und normalerweise hätte ich die Geschichte mit dem Kommentar "Jetzt übertreibt sie es aber..." bedacht. Aber irgendwie gelingt es Hannah dennoch, auch diese letzte Wendung glaubwürdig einzubauen und schon ist man wieder drin im Tal der Tränen und fiebert mit Annie mit.
Ein wirklich sehr schönes Buch, das zu Tränen rührt und das Schicksal einer Frau erzählt, die es auf dieser Welt wahrscheinlich millionenfach gibt - nur, dass diese hier ihres ändern konnte.