Der erste Roman des Amnion-Zyklus war ursprünglich als Kurzgeschichte geplant. Das merkt man dem Zyklus leider an, "Die wahre Geschichte" hat einfach nicht die Klasse der folgenden vier Bände und ist auf einen Handlungsstrang fokussiert, der notabene recht pervers ist. Erst mit dem zweiten Band beginnt der Autor mit der breiten Auslegeordnung. Damit steht für mich "Die wahre Geschichte" zum restlichen Zyklus wie z.B. "Der kleine Hobbit" zum "Herr der Ringe", allerdings mit dem Unterschied, dass das Vorwissen aus diesem Band für die weitere Lektüre absolut notwendig ist.
Wahrscheinlich stand der recht durchschnittliche Einstieg in den Zyklus dem Erfolg etwas im Wege - leider, denn was darauf folgt, ist einsame Spitze. Ich habe den Zyklus vor 8 Jahren gelesen und betrachte das Werk nach wie vor als eines der besten überhaupt.
Stephen R. Donaldson besticht durch seine ausgezeichnete Charakterzeichnung, seine Kenntnis der menschlichen Psyche und sozialer Interaktion. Handlungen und Motive seiner Protagonisten sind jederzeit glaubhaft und nachvollziehbar (was keineswegs immer heisst: vorhersehbar). Diese Eigenschaften kommen gepaart mit viel Hightech, Physik (endlich mal einer, der nicht behauptet, interstellare Navigation wäre ein Pappenstiel), Politik, Intrigen, Macht, Gewalt, Krieg. All dies verbindet er in einem Plot, den man einfach nicht aus der Hand legen kann.
Meine Bewertung von fünf Sternen steht für den gesamten Zyklus, nicht für den ersten Band. Der Zyklus stellt eine durchgängige Geschichte dar. Es macht keinen Sinn, nur Teile davon zu lesen.