Für uns Hörende ist es eine Horrorvorstellung, taub zu sein. Ohne Musik zu leben, ohne das Geräusch des Windes in den Bäumen, das Rauschen des Meeres, das Lachen eines Kindes oder das Gespräch mit einem guten Freund stellen wir uns schrecklich vor. Dabei müssen Taube zumindest auf wertvolle Unterhaltungen mit anderen nicht mehr verzichten. Doch Emmanuelle Laborit, selbst von Geburt an taub, klärt uns auf, dass dies bis 1991 (zumindest in Frankreich) noch keine Selbstverständlichkeit war. Bis dahin war die Gebärdensprache als obszön verpönt und per Gesetz verboten. Statt dessen wurde Eltern gehörloser Kinder weisgemacht, ihre Kinder würden noch hören lernen, solange die Eltern konsequent mit ihnen sprechen. Auch versuchte man Jahrhunderte lang, Taube zum Sprechen zu zwingen.
Emmanuelle berichtet von ihrer Einsamkeit, ihrer Isolierung und Angst als Kind. Diese wurde nicht von ihrer Taubheit verursacht, sondern von so genannten Spezialisten, die eine Kommunikation mit der Außenwelt unmöglich machten. Zu ihrem Glück erfuhren ihre Eltern relativ früh von der Gebärdensprache und förderten ihre Tochter ab dem siebten Lebensjahr. Bis dahin dachte die kleine Emmanuelle, sie müsse als Kind sterben, da sie selbst nie erwachsene Gehörlose kennengelernt hatte. Sie dachte, sie würde nie eine Arbeit finden, immer auf ihre Eltern angewiesen sein.
Heute ist Emmanuelle eine erfolgreiche internationale Schauspielerin. Bekannt wurde sie in Deutschland durch den schönen Film. 'Jenseits der Stille'. Das Buch 'Schrei der Möwe' zeigt uns, dass Gehörlose nicht mehr von ihrer Umwelt isoliert leben müssen. Und wie Emmanuelle selber sagt: 'Sie kann nicht vermissen, was sie nicht kennt'. So wird sie das Geräusch des Windes in den Bäumen zwar nie kennen lernen, aber sie muss nicht mehr um ihre Zukunft bangen oder auf Freundschaften verzichten.