Im Fischerdorf Arlingen geht ein Mörder um, der seine Opfer grauenvoll verstümmelt. Die Arlinger glauben an das übernatürliche Wirken eines Ungeheuers; der Gelehrte Geron di Montacci, der im hoheitlichen Auftrag die Mordserie aufklären soll, vermutet dagegen Menschenwerk. Doch die Detektivarbeit ist nicht einfach, denn Fremde sind in Arlingen nicht gerne gesehen...
Das Buch erinnert thematisch an Filme wie "Sleepy Hollow" oder "Der Pakt der Wölfe": Ein Gelehrter will beweisen, dass hinter übernatürlichem Wirken in Wahrheit Menschen stecken. Das Thema ist zwar nicht das originellste, ist bei DSA aber noch nicht so ausgelutscht wie das ewige Hau-den-Schwarzmagier und bietet eine solide Grundlage, wenn auch etwas unglücklich gewählt, da übernatürliches Wirken in Aventurien nicht unbedingt ungewöhnlich ist.
Positiv fällt zunächst der Erzählstil auf (abgesehen von den grauenhaften Seiten 7-10). Er ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber sobald man sich etwas eingelesen hat, ist der Stil mit seiner nahezu poetischen Sprache und seinen passenden Vergleichen trotz einiger Redundanzen sehr gut lesbar und passt perfekt zum Erzähler, einem horasischen Adligen. Womit wir beim zweiten positiven Punkt wären: Hauptfigur Geron ist hervorragend ausgearbeitet. Er ist kompetent und setzt seine Fähigkeiten ein, ohne eine Mary Sue zu sein, denn es gibt auch Dinge, die ihm nicht gelingen.
Womit wir bei den negativen Punkten wären,die leider überwiegen: Die Charaktere außer Geron und einer Ausnahme bleiben blass; die Dorfbewohner bilden lediglich den Klischeepöbel. Trotz der Eindimensionalität sind aber alle Charaktere mit einer glaubhaften Motivation versehen. Der Autor schafft es zwar, eine Atmosphäre der ständigen Bedrohung zu schaffen, trotzdem kommt recht wenig Spannung auf, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Mörder viel zu früh verraten wird und das Ende vorhersehbar ist.
Man hat außerdem das Gefühl, dass die Hauptfigur in einer Art Aufziehspiel steckt, denn Geron leistet verhältnismäßig wenig und man hat den Eindruck, dass die ganze Geschichte auch ohne ihn genauso hätte ablaufen können. Die Liebesgeschichte mit Roana wirkt unnötig und aufgepropft, um den Plot zu ermöglichen. Auch die Rückblenden, mit denen lediglich die Tragik der Figur des Geron di Montacci verdeutlicht und vertieft werden soll, sind für die Geschichte eher irrelevant. Zu guter letzt enthält das Buch einen gewaltigen inhaltlichen Fehler, ohne den die Geschichte aber nicht funktionieren würde.
Wer auf Action steht und darauf, dass sich die Dinge überschlagen, wird mit diesem Buch wenig anfangen können. Es ist kein Action-Kracher; die richtige Bezeichnung wäre am ehesten Mystery-Thriller. Wer dieses Genre mag oder dem Filme wie "Sleepy Hollow" oder "Der Pakt der Wölfe" gefallen, der kann bei der Bewertung noch einen Stern hinzufügen. Alle andere sollten probelesen.