Typisch, wie es nun mal meine Art ist, fange ich erstmal damit an herumzukritisieren:
Die Dokumentation über die diesjährige Weidner-Tour enttarnt sich beim Konsum nach und nach als fragmentarisch. Von den drei Konzerten die ich besucht habe (München, Nürnberg, Stuttgart) bekommt man gar nichts zu sehen, sowie man lange nach den Konzerten in Österreich, der Schweiz und manch anderen Gigs suchen kann (wer lange sucht, wird aber wenigstens etwas findig: Im W-Cam" DVD-Kapitel gibt es wenigstens so etwas wie Impressionen und Urteile darüber).
Tour-Dokumentation kann man unterschiedlich aufbauen, ganz klar, und hier wurde der Fokus auf Backstageaufnahmen/-emotionen, sowie den üblichen Touralltag gelegt, wodurch, und das ist sowohl lustig als auch unterhaltsam, einem die Person Stephan Weidner (der W) und seine Band sehr nahe kommt. Leider beginnt" die Doku aber erst ziemlich spät damit, tief in das Geschehen einzudringen, so dass die dänische Kultband D.A.D. als einzige Vorband überhaupt Platz bekommt, um sich vorzustellen, und die anderen Vorbands (Pro Pain, Skew Siskin) komplett unter den Tisch fallen (im Audiokommentar wird erklärt, dass die Produktion in der Hinsicht einfach geschlafen hat - Autsch, grobes Faul und rote Karte) - damit könnte ich gut leben (was interessieren mich die Vorbands?), wenn damit nicht fast die ganze erste Konzerttourhälfte (in der diese Vorbands spielten) quasi ausradiert wurde; Jemanden, der nicht weiß, dass D.A.D. nur ein paar Gigs am Schluss unterstützen, mag denken, dass die Dänen von Anfang bis Ende der Tour dabei waren.
Irritierend ist dieses Weglassen" oder Auslassen" von Konzerten auch deswegen, weil bei Onkelz-DVDs auf fast jedes Konzert eingegangen wurde (zumindest im Vorbeigehen), und man (ich) dies hier auch erwartet hätte, wenigstens grob. Sicher: Was bringt es mir, wenn dort kurz 2 Sekundenlang Bilder aus München gezeigt werden, und das war es? Immerhin war die Tour lang (länger als bei den Onkelz), und man konnte nicht jedes Konzert erwähnen, aber dass fast ausschließlich Auftritte aus dem Norden (aus meiner Perspektive) dokumentiert sind, ist für mich, der (mehrmals) auf der Tour war, fast so etwas wie Diebstahl. Und NATÜRLICH wurde die Live-DVD in Berlin aufgenommen (werden eigentlich DVD-Live-Mitschnitte nur noch in Berlin aufgenommen? Gähn...), und erinnert mich vom Flair her (aber auch von der Aufnahmetechnik) sehr an die Böhse Onkelz La Ultima - Live in Berlin".
Sehr schade finde ich es auch, dass sich nicht die Zeit genommen wird, die Fans zu zeigen. Auf vielen Onkelz-DVDs sind genug Onkelzfanz zu sehen, wollen wir noch mehr davon? Meine Antwort ist nein", aber: Weidner-Fans sind nicht gleich Onkelzfans, auf jeden Fall was das Onkelzklischee angeht, jenes Klischee vom Dick und Durstig"-Heute trinken wir richtig"-Bierbauchproletenfan, der sich immer nur Mexiko" von der Band wünscht, dass leider auch in verschiedenen Onkelz-Dokus ausgewalzt wurde.
Ich habe mich in dieser Kategorisierung nie wohl gefühlt, fast ist es eine Beleidigung, denn die Onkelzfanz der neueren Generation orientierten sich an den sehr guten, gesellschaftskritischen Text einer Band, die an ihren Fehlern und Irrtümern gewachsen ist, nicht an Trinkparolen. Da die Texte eben von Bandkopf und Leader Stephan Weidner waren, und dieser nun eben solo unterwegs ist (und auf seiner Web-Seite sich seine Fans über Politik, Philosophie austauschen), hat sich auch das Gesicht des Klischeefans gewandelt. Allein durch die große Anzahl junger Anhänger, als auch an der großen Anzahl von Frauen (Mädchen), sowie durch die natürliche Auslese der alten Onkelzfans (die teilweise ein Problem mit Stephans Weltauffassung hatten) auf den Konzerten hätte dies erfasst und auch dokumentiert werden können, doch leider blieb diese Chance ungenutzt.
Schade.
Dabei macht die Doku richtig Spaß. Stephan kommt super gelöst und sympathisch herüber und ist so locker wie auf kaum einer Onkelztour. Das merkt man ihm auch beim Singen und Performen an. Wenn er mit seiner Band oder seinen Kollegen mit D.A.D. herumalbert, entrutscht Einem schon mal der eine oder andere Mitlacher, auch der von mir vorgeschlagene ;) Audiokommentar schwingt auf dieser locker flockigen Ebene mit (auch wenn mir Till etwas zu unterwürfig rüberkommt, wobei das kein Urteil über seinen Charakter sein soll - ist mir ja wildfremd), und ergänzt die Tour um das eine oder andere kleine Anekdötchen.
Die Live-DVD hat mich dann richtig gepackt, sie fängt das W"-Feeling sehr gut ein (auch wenn es in München mehr nach vorne ging), und macht visuell da weiter, wo Onkelzprodukte in dieser Hinsicht aufgehört haben, die waren nämlich immer (entgegen der öffentlichen Vorurteile) konsequent Hochqualitativ, was sich auch am Art-Work der DVD ablesen lässt. Der W" live macht ein gute Figur, und hat sich seit ich ihm gehört habe, in seiner Front- und Rampensauqualität gesteigert. Er ist noch kein begnadeter Sänger, verkauft das was er hat jedoch mehr als gut.
Sein Album kommt live fast besser rüber als auf CD, einfach weil es emotionaler ist. Gestützt wird das durch den Einsatz des Live-Orchesters, das gerade bei Asche" sehr tief reingeht".
Der Audio-CD-Mitschnitt ist auch aus Berlin, also selbes Kino.
Die DVD macht Spaß, und macht einen sympathischen Kerl noch sympathischer (Hey Stephan, wir müssen mal ein Bier trinken gehen ;) ), und ist für Fans natürlich alles Andere als ein Fehlkauf. Das meine" Konzerte nur angesprochen werden (war toll") ist schade, aber nicht zu ändern. Insgesamt hätte aber mehr als der Produktion herausgeholt werden können, zumindest was die Dokumentation angeht, der anfangs auch etwas der Flow fehlt.
Seis drum. Macht heute Spaß, und in einem Jahr wahrscheinlich sogar noch mehr.