Der kleine und symphatische Desperado Blum kommt unversehens in Kalamitäten als er durch Zufall einige Pfund Kokain in die Hände bekommt. Der kurze Traum vom Glück kippt in eine zuerst noch ruhige, später ruppige und wirre Flucht.
Die Story ist sehr gut, die Stimmung, die Stimmen und Farben gleichen denen im "film noir". Joerg Fauser geht ins Detail: Der schale Frühstückskaffee in Pensionen, die alternde Blondine am Abend an der Hotelbar, deren vergangene Schönheit in kurzen Momenten immer wieder aufblitzt, Züge, Autobahnraststätten und das Deutschland Ende der 70er, Anfang der 80er.
Der Schneemann ist beste deutsche Kriminalliteratur von dem Autor, der mit seiner Biographie über Marlon Brando (Untertitel: der versilberte Rebell) im Januar 1981 plötzlich zur Legende wurde.
Auch hier geht er weit über die Person des Filmstars hinaus und beschreibt den Mittelwesten der USA dermaßen konkret und wohl auch poetisch rund und dicht, daß man ins Schwärmen kommt.
Der "Schneemann" Blum könnte auch Vertreter für Staubsauger oder Putzmittel sein, zuallervorderst ist der Blum ein typischer Exponent Westdeutschlands der späten 70er Jahre: Blind vertraut er anfänglich in die eigenen Visionen, Urlaub, schneller Cash, mondäne Hotels und teure Drinks, um bald zu erfahren, daß man für alles seinen Preis zahlt:
Reagan ist noch ein paar Jahre weg, Thatcher wohl auch, Kohl sowieso.
Jörg Fauser, der kraftvollste deutsche Autor seiner Generation, wird mit der Neuauflage sicher wieder in aller Munde sein.