Eine etwas ungewöhnlich präsentierte Liebesgeschichte ist der Inhalt dieses romantischen Dramas. Der Film macht es dem Zuschauer nicht unbedingt leicht, Zugang zu finden. Mit symbolischen Bildern und Worten beinahe überfrachtet, fordert er die ganze Konzentration des Beobachters. Der Irrgarten der Gefühle wird von den Darstellern jedoch sehr überzeugend durchschritten und die Unberechenbarkeit der Natur wurde geschickt genutzt, um mit einer gewissen Spannung die Erzählung voranzutreiben.
Im Profil zeigt sich die junge Anna, die sich Thea nennt, und erzählt ihrer Mutter von einem beunruhigenden Bild ihrer Phantasie. Es ist nicht die Gefahr des Ertrinkens, die sie schreckt, sondern das herannahende Geräusch abgehauener Grashalme. Mit Erschrecken erkennt die Naturliebhaberin, dass sich eine Gruppe junger Schnitter einem brütenden Vogel nähert, der sich im noch hohen Gras verborgen hält, welches ihm schon bald keinen Schutz mehr bietet. Die Sense trifft das arme Tier, doch die Symbolik dieser schrecklichen Bilder erschließt sich Thea nicht. Auch ihre Mutter scheint unsicher zu sein. Handelt es sich nur um einen schlechten Traum oder steckt mehr dahinter?
Thea (Carmen Chaplin) lebt mit ihren Eltern auf einem Landgut in England. Die Eltern haben sich mit der Tochter auf das Land zurück gezogen, um die Nerven ihres angegriffenen Schützlings zu beruhigen. Thea liebt die Wildnis rund um das Haus, doch ihrer Mutter fehlt das gesellschaftliche Leben. Der ehrgeizige Thomas Smithers (Pete Postlewaite) hat jedoch eine Idee, seine Frau aufzumuntern. Er engagiert einen berühmten Gartengestalter, der seiner geliebten Ehefrau Juliana (Greta Scacchi) ein exklusives Kunstwerk schaffen soll. Die Smithers ahnen jedoch nicht, dass Unheil naht. Der Zuschauer ahnt bereits, dass der junge Künstler etwas zu verbergen hat. Der Cousin von Juliana, Fitzmaurice (ein faszinierendes Scheusal, Richard E. Grant "
All for Love") kennt das Geheimnis von Meneer Crome (ganz große Darstellungskunst: Ewan McGregor) und er erkennt seine Chance, dieses Wissen, zu seinem Vorteil zu nutzen. Aber auch die empfindsame Thea spürt, dass mit Crome etwas nicht stimmt. Doch ihre Versuche, auf ihre Art Widerstand zu leisten, werden von ihren Eltern unterdrückt, die ihre Tochter nun in fachärztliche Behandlung geben, um ihr Gefühlsleben wieder in die Balance zu bringen. Die Methoden der Medizin sind an der Schwelle zum 18. Jahrhunderts aber leider mehr als barbarisch. Crome, der als verletzte Seele sogleich eine Verbindung zu der Leidenden spürt, möchte ihr gerne helfen. Allerdings erkennt er, dass er durch seinen Gartenplan wichtige Zufluchtsplätze zerstören wird. Smithers schlägt Cromes Bedenken in den Wind. Cousin Fitzgerald schmiedet mit Genuss Intrigen, setzt Crome mit seinem Wissen unter Druck. Zu allem Unglück kommt hinzu, dass die Hausherrin, Juliana Smithers, ebenfalls ein heftiges Interesse für ihren Gartenarchitekten entwickelt. Gibt es überhaupt noch einen Ausweg aus diesem Irrgarten der Gefühle?
Der Film spielt mit den Gegensätzen von Schönheit und Hässlichkeit, Natur und Kunst, Wahrheit und Illusion, Unschuld und Verdorbenheit. Die einzelnen Figuren beweisen Mut zur Tiefe ihres Charakters. Da der Fokus sehr stark auf die wenigen Darsteller gerichtet ist, können die Schauspieler die Möglichkeiten zur Entwicklung ihrer Figur sehr gut nutzen. Unterstützt werden die Darsteller durch bezaubernde oder auch gruselige Motive, welche ganz geschickt in den Handlungsverlauf integriert werden. Mehr als tausend Worte sagen die eindrucksvollen Momentaufnahmen im Innen- und Außenbereich der Kulissen. Die Gartengestaltung alleine birgt hier schon viele Möglichkeiten um zwischen Traum- und Wirklichkeit, zwischen Realität und Illusion federleicht hin und her zu wechseln. Bei näherer Betrachtung kann man garantiert noch viel mehr entdecken und somit lohnt dieser ungewöhnliche Film einen zweiten Blick.
Als einziges Extra gewährt der Produzent des Filmes Francois Duplat mit zeitlichem Abstand seine Sichtweise auf das Werk und plaudert auch munter über die Schwierigkeiten des Zusammenspiels zwischen männlichen und weiblichen Schauspielern. Das Interview hätte allerdings etwas geraffter ausfallen können und führt ziemlich schnell zu einer Ermüdung des Zuhöre