Inhalt
Der vierzehnjährige John Jacob Turnstile, der unter der "Obhut" des
brutalen Mr Lewis in Portsmouth sein Leben als Taschendieb und Lustknabe
für reiche Herren fristet, wird bei einem Diebstahl erwischt und hat
die Wahl, entweder für 1 Jahr ins Gefängnis zu gehen oder als
persönlicher Diener des Kapitäns auf der Bounty zu arbeiten. Er
entscheidet sich für die Bounty und wird so zum Zeugen der berüchtigten
Reise nach Tahiti, von wo die Seeleute Früchte und Setzlinge des
Brotbaums mitbringen sollen. Das Schiff wird von Lieutenant William Bligh befehligt. Nach einer langen und teils recht stürmischen Reise gelangen
die Seeleute nach Tahiti, wo sie ein schönes Leben führen: viel
Freiheit, köstliche Nahrung und vor allem schöne, willige Frauen
versüßen ihnen das Leben.
Viele Mannschaftsmitglieder sind schließlich unwillig, Tahiti wieder zu
verlassen. Kurz nach der von Bligh durchgesetzten Abreise kommt es unter
der Leitung von Fletcher Christian
zur Meuterei. Bligh wird mit 18 loyalen Besatzungsmitgliedern, darunter
auch Turnstile, in einem Beiboot mit relativ wenig Proviant ausgesetzt.
Nun folgt eine 48-tägige Odyssee, geprägt von nagendem Hunger,
schrecklichem Durst und den gesundheitlichen Gefahren durch die
Witterung und durch unberechenbare Eingeborene auf den Inseln, die die
Ausgesetzten ansteuern, um ihren Proviant aufzustocken. Bligh gelingt
das Unmögliche, nur mit einem Kompass ausgerüstet, bringt er das Boot
nach Timor, von dort aus können die 13 Überlebenden nach England
zurückkehren.
Eigene Beurteilung
Die Handlung des Romans, die zum größten Teil zwischen 1787 und 1789
angesiedelt ist, wird vom Ich-Erzähler John Jacob Turnstile erzählt.
Turnstile ist die einzige fiktive Figur der Geschichte, alle anderen
Figuren segelten wirklich auf der Bounty. Hier kann man Weiteres über ihren Werdegang nachlesen.
John Boyne, der offensichtlich sehr gründlich recherchiert hat
(bibliographische Angaben hinten im Buch), zeichnet ein anderes Bild von
William Bligh als man es aus den Verfilmungen kennt, die ihn als
grausamen Befehlshaber darstellen, gegen den zu Recht aufbegehrt wurde.
Bligh war diszipliniert und äußerst pflichtbewusst, aber unter seinem
Kommando gab es wesentlich weniger Disziplinarmaßnahmen als auf anderen
Schiffen seiner Zeit. Auch in anderer Hinsicht war er fortschrittlich,
er führte drei Schichten ein, sodass die Matrosen längere Ruhepausen
hatten und er achtete besonders auf Hygiene und sorgte dafür, dass seine
Leute nicht an Skorbut erkrankten.
Dennoch wird er nicht als Heiliger dargestellt. Ab und zu ist er
cholerisch und trifft unkluge Entscheidungen. Sein Vorgehen, den
Matrosen auf Tahiti vorher in Aussicht gestellt Vergünstigungen zu
beschneiden, dürfte maßgeblich zu deren Unzufriedenheit beigetragen
haben.
Die Sprache des Romans ist humorvoll, der junge Turnstile ist zwar nicht
gebildet, hat aber ein Talent zum Erzählen und bietet viel Anlass zum
Schmunzeln. Am Anfang musste ich mich allerdings etwas in seinen Stil
einlesen.
Insgesamt ist das Buch in fünf Teile unterschiedlicher Länge
untergliedert, wobei der vierte Teil, der die 48 Tage im Beiboot
umfasst, die kein Seemannsgarn sind, sondern faktengetreu erzählt werden
(anhand von Blighs Logbuch), unglaublich fesselnd und erschütternd
sind. Auf zwei Seekarten vorne im Buch kann man den Weg der
Leidgeprüften verfolgen.
Dieses Buch möchte ich wärmstens weiterempfehlen, selten hat mich ein Roman so berührt.