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Der Schattenmann: Von Goebbels zu Carlos: Das mysteriöse Leben des François Genoud
 
 
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Der Schattenmann: Von Goebbels zu Carlos: Das mysteriöse Leben des François Genoud [Gebundene Ausgabe]

Willi Winkler
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Berlin (15. Januar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3871346268
  • ISBN-13: 978-3871346262
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 309.120 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Keiner kennt ihn, und nicht wenige bezweifeln, dass es ihn überhaupt gegeben hat. Aber für dieses Dunkel hat er selbst gesorgt: François Genoud, Schweizer Bankier, überzeugter Nazi, Förderer des Linksterrorismus. Wer war dieser Mann, in dessen Person sich die Extreme des 20. Jahrhunderts in einzigartiger Weise berühren? Während des "Dritten Reichs" war Genoud für den deutschen Geheimdienst tätig und konnte sich später die lukrativen Rechte an den Schriften von Joseph Goebbels sichern. In den Fünfzigern engagierte er sich im algerischen Befreiungskampf, dann wandte er sich den palästinensischen Terrororganisationen zu, die für Entebbe, Mogadischu und das Massaker in München 1972 verantwortlich waren. Es fiel Genoud nicht schwer, Wadi Haddad und Carlos bei Flugzeugentführungen, Attentaten und Erpressungen zu unterstützen und zugleich Kriegsverbrechern wie Adolf Eichmann und Klaus Barbie, dem Schlächter von Lyon, beizustehen. Willi Winkler erzählt von einem Mann im Hintergrund, einem Strippenzieher, der mit den wichtigsten Geheimdiensten verbandelt war – und er zeichnet das Psychogramm dieses Schattenmanns, dessen Geschichte ein ganz neues Licht auf das Netzwerk alter und neuer Nazis und deren Verbindungen zum Linksterrorismus wirft. "Winkler beschreibt seinen Protagonisten mit dem sprachlichen Vermögen eines Feuilletonisten, mit der Exaktheit eines Historikers und dem sanften Sarkasmus eines mit der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts Vertrauten. Zugleich erhellt er unbekannte Zusammenhänge, die bisher im Dämmerlicht des Extremismus ruhten." (Spiegel online)

Über den Autor

Willi Winkler, geboren 1957, hat in München und St. Louis studiert und Bücher von John Updike, Anthony Burgess und Saul Bellow übersetzt. Er war Redakteur der „Zeit", Ressortchef Kultur beim „Spiegel" und schreibt heute für die „Süddeutsche Zeitung". 1998 erschien „Alle meine Deutschen. Ein Bestiarium", 2001 „Bob Dylan. Ein Leben", 2002 „Mick Jagger und die Rolling Stones", 2007 die viel gelobte „Geschichte der RAF" und 2011 "Der Schattenmann". 1998 erhielt Willi Winkler den Ben-Witter-Preis, 2010 den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus.

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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Selten habe ich erlebt, dass ein Buch hält, was sein Klappentext verspricht. Bei dem Buch von Willi Winkler ist es so, nein, hier wird noch mehr gehalten, als der Leser eigentlich erwarten kann. Ein paar wenige Beispiele: Wer weiß schon, dass Hitlers Monologe/Tischgespräche sage und schreibe eine Textgrundlage von 110.000 Seiten haben? Keiner kann mehr exakt rekonstruieren, wer da wann, was mitgeschrieben hat und wie viele Male und wie sehr diese Texte von Martin Bormann oder anderen überarbeitet wurden. Und doch werden sie bis heute als O-Ton Hitlers zitiert. Der Hitler-Verehrer Genoud machte es sich zur Lebensaufgabe, Texte des "Führers", Bormanns und Goebbels' an ein Millionenpublikum zu bringen - und dafür zu sorgen, dass die Erben und er selbst kräftig daran verdienen. Noch heute werden z.B. bei der 2010 erschienenen Goebbels-Biographie von Peter Longerich die Goebbels-Erben am Absatz beteiligt. Dass Genoud den Spagat schaffte, lebenslang Anhänger des Nationalsozialismus zu bleiben und gleichzeitig den globalen Linksterrorismus zu unterstützen, führt Winkler in einer faszinierenden Analyse vor Augen. Und er bleibt dabei betont sachlich. Nicht nur, dass er seine Darstellung akribisch mit Archivmaterial, Zeitzeugeninformationen, wissenschaftlicher Literatur, Erinnerungsschriften und Medienberichten belegt. Er schreibt offen, wenn mal eine seiner Darstellung zugrunde liegende Literaturangabe zwar plausibel, aber nicht beweisfähig belegt ist. Da kann sich mancher Historiker eine Scheibe davon abschneiden, ganz abgesehen vom glänzenden Schreibstil. Fazit: Das Buch ist jedem denkenden Menschen absolut zu empfehlen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Niclas Grabowski TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Liest man das alles genau, so liest sich das Buch verwirrend. Da unterstützt Francois Genoud, ein angeblicher Schweizer Bänker (hört sich gut an), Verleger von Texten aus dem Dritten Reich (hört sich nicht ganz so gut an) und Geheimagent in aller Namen den Aufstand in Algerien, während ein Hans-Joachim Rechenberg (Journalist, Lobbyist und wohl ebenfalls Geheimagent) im Auftrag des BND arbeitet, der französische Mordkommandos gegen die Aufständischen in Algerien unterstützt. Wie stehen nun diese beiden zueinander, die doch offenbar für die jeweils andere Sache kämpfen? Sie sind dennoch die besten Freunde, Rechenberg wird im Buch sogar als Genouds Gehilfe eingeführt. Mir kommt das wirr vor.

Nun gibt es genug Beispiele, dass die politische Wirklichkeit dieser Welt so ist, nämlich wirr. Dass arabische Terroristen die Israelis ausgerechnet als Nazis beschimpfen, passt wohl dazu, genauso wie antisemitische Rechtsradikale, die gemeinsame Sache mit dem arabischen Aufstand gegen den Kolonialismus machen und dabei auch gleich die deutsche Linke mit unterstützen, soweit diese nur gewaltbereit genug ist. Aber dennoch hätte ich mir in diesem Buch ein paar mehr Worte dazu gewünscht, wie das denn alles sein kann. Denn all das wird einfach so präsentiert, als ob es selbstverständlich wäre. Was es für mich aber nicht ist. Und auch dass das Buch chronologisch und sachlich immer mal wieder durcheinander geschrieben ist, hilft meinem Blick auf die Geschichte nicht wirklich weiter.

So werden dieses Buch vor allem die Leser mögen, die auch Fans des Spiegel sind. Hier lauert in jeder Zeile der Skandal, und wenn man einen bekannten Namen in Zusammenhang mit der schrägen Existenz des Schattenmanns Genoud bringen kann, wird er auch genannt, manchmal mit mehr, meist aber mit weniger Details. Bei der Verbindung der Stasi mit dem Anschlag auf das Berliner Maison de France kann ich dank eigener Kenntnis sagen, dass der kurze Satz, mit dem diese Verbindung im Buch aufgeführt ist, sicher zu kurz greift. Problematisch erscheint mir, dass dieser besondere Stil des Buches doch wesentliche Punkte, die mich an einer Biographie interessieren, verdeckt. Mich interessiert, warum jemand so handelt wie dieser Genoud. Wirklich aufgrund eines Treffens mit einem vermeintlichen Staatsmann in der fernen Jugend? Geldnot, das hätte ich bei einem Familienvater ja noch als Erklärung verstanden, aber Begeisterung für eine bereits 1945 so drastisch gescheiterte Sache? Das will in mein Menschenbild nicht so richtig passen.

So fehlt mir in dieser Biographie das biographische Einfühlungsvermögen. Und ja, ich weiß, dass dies im Fall einer Biographie eines rechtsradikalen Unterstützers des arabischen Terrorismus etwas viel verlangt sein mag. Aber genau hier finde ich die Frage spannend, warum jemand zu einer so schrägen Existenz wird. Vor allem, da dieser ja in der Schweiz ansonsten ein biederes Leben zu führen scheint. Aber vielleicht muss dann am Ende doch konstatieren, dass man über diesen Genoud eben nicht wirklich so viel weiß. Was Schein war und was Sein in dessen Leben, das bleibt dann doch offen.

Stark ist das Buch dafür in der Nacherzählung der Geschichte der Schattenwelt zu Zeiten des Kalten Krieges. Wie hier Geld, Politik und persönliche Neurosen eine Gesellschaft von Außenseitern plötzlich an Bedeutung gewinnen lässt, wobei dann viele Unbeteiligte auf der Strecke bleiben, das ist dann eben auch ein Buch wert. Und auch der Dilettantismus, mit dem Polizei und Geheimdienste offenbar dieser Erscheinung begegnen, zeigt, dass man deren Welt vielleicht wirklich nicht so wichtig nehmen sollte. Wer solch ein wirres Spiel mitmacht, dem sollte man das Budget doch eher ein wenig kürzen.
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