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Produktinformation
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Der Friede ist brüchig in Bernard Cornwells Der Schattenfürst, nach Der Winterkönig der zweite Band, mit dem uns der 65-jährige Brite seine ganz eigene, grandios geschriebene Version der Artussage erzählt. Denn die Mächtigen haben die Rechnung ohne die Götter gemacht, die im Mächtespiel auch noch ein Wörtchen mitzureden haben. Dann gibt es da noch den rechtmäßigen, aber allseits verhassten Thronanwärter Mordred und den intriganten Bischof Sansum, der nicht einmal davor zurückschreckt, Merlins Schwester zu heiraten, um seine Interessen durchzusetzen. Und der wütende Lancelot, der sich Arthurs Frau Guinevere annähert, spielt ebenfalls ein undurchsichtiges Spiel...
20 Millionen Exemplare hat Bernard Cornwell von seinen historischen Romanen über Wikinger und die Bewohner Britanniens bereits verkauft. Wer Der Schattenfürst liest, kann dies verstehen. Denn so lebendig, wie Cornwell auch in diesem Band aus dem 5. Jahrhundert erzählt, kann man das anderswo kaum lesen. -- Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Diese Trilogie erzählt die Geschichte Arthurs ganz anders als wir es aus der Legende kennen. Arthur hat seine Schwächen, Merlin ist "nur" ein Druide, Guinevere ist eine Frau mit überragender Intelligenz, die aus ihrer Rolle ausbrechen möchte und Lancelot ist ein narzisstischer Feigling. Die wichtigsten beiden Punkte bei den handelnden Personen jedoch sind, dass einerseits jede der Hauptfiguren mit einer schier unglaublichen Tiefe ausgestattet ist; und praktisch jede von ihnen eine Veränderung im Laufe ihres Lebens durchmacht. Bezogen auf die Charakterentwicklung ist Cornwell in Gebiete vorgestoßen, die selten erreicht werden. Keine der Figuren ist schwarz oder weiß, alle sind in Graubereichen angesiedelt - aber Cornwell liefert für fast jede Eigenschaft eine Begründung, er erläutert die Motivation die einen Charakter dazu werden lässt, was er ist.
Erzählt wird die Geschichte von einem alten Mönch mit Namen "Derfel". Er war als Kind einer druidischen Todesgrube entkommen, wurde von Merlin großgezogen und danach zum Krieger ausgebildet. Er wurde zu einem der großen Heerführer Arthurs und zu seinem Schwager. Er schreibt die Geschichte seines Lebens nieder, die Geschichte der Kriege gegen die Angeln und Sachsen, die Geschichte des Aufstieg und Falls Arthurs und des Aufstieg und Falls von Mordred und natürlich die Geschichte des Kampfes des Druidentums gegen das Christentum. Aber auch mit der ganzen Geschichte entfernt er sich weit vom Mythos. Der Name Camelot taucht nicht ein einziges Mal auf, und "Tafelrunde" wird als eine Verballhornung geschildert. All das hat seinen Mythos verloren, doch genau dadurch entsteht der Mythos neu; weniger glänzend zwar, dafür aber um so glaubwürdiger. Der Erzähler ("Derfel") ist ein Kind seiner Zeit und so erzählt er auch alles als mit den Augen seiner Zeit gesehen. Er spuckt permanent aus und berührt Eisen um das Böse abzuwenden. All das jedoch erzählt er in einer bildhaften, warmherzigen Weise. Zugegeben die Schlachtszenen sind alles andere als warmherzig dennoch sind sie sehr bildhaft. Nichts für schwache Nerven. Cornwell durchbricht die Grenze zwischen historischem und Phantasyroman. Wahrlich eine Meisterleistung.
Sprachlich muss man das Werk eindeutig als über dem Mittelmaß stehend beurteilen, wenngleich es bestimmt nicht als außergewöhnlich bezeichnet werden kann. Es ist aber so gut geschrieben und formuliert, dass sich die Mehrheit der Romanciers ein Beispiel nehmen können.
Ein einziger Schwachpunkt ist Cornwell unterlaufen. Er teilte das Buch in drei Bände auf. Keiner dieser Bände kann ohne die anderen existieren - das ist das Wesen einer Trilogie, jedoch versucht Cornwell dies trotzdem zu ermöglichen, indem er die wichtigsten Fakten in jedem Band wieder anklingen lässt. Dies ruft zwar die Fakten erneut in Erinnerung, aber es ist manchmal (besonders am Anfang eines Bandes) eher enervierend denn hilfreich. Die extrem enge Verstrickung der Bücher miteinander, ist auch der Grund warum man nicht ein einzelnes Buch aus dieser Trilogie beurteilen oder rezensieren kann. Es ist ein Gesamtwerk und muss auch als solches gelesen werden. Stellen Sie sicher, dass sie alle drei Bücher (1. Der Winterkönig, 2. Der Schattenfürst und 3. Arthurs letzter Schwur) zur Hand haben, wenn Sie mit dem Lesen beginnen.
Dieses Buch hat so viele Pluspunkte, dass man Gefahr läuft einige zu übersehen. Ich möchte versuchen sie nochmals zusammenzufassen. Es hebt sich sprachlich vom Mittelmaß ab, es erzählt seine Geschichte in herrlichen Bildern, es zeichnet die meisten Personen mit einem ungeahnten Tiefgang, es liefert Charakterentwicklungen in selten gesehenem Umfang, es stellt die Sage um Arthur in einem neuen - sehr interessanten Bild dar, es ist historisch untermauert. Es ist eine Neuerzählung des Mythos, der weder den Vergleich mit den besten historischen Romanen scheuen muss, noch muss er sich fürchten wenn man ihn mit der besten Phantasyliteratur vergleicht. Der einzige Schwachpunkt - die Verteilung auf drei Bände - wiegt nur wie eine Feder auf der negativen Waagschale.
Dabei verläßt der erzählerische Atem den Autor nicht. Viele Arthur-Nacherzählungen verlieren nach der Darstellung der ersten Lebensjahre unseres Helden an Schwung, atmosphärische Details werden zugunsten zumeist politischer Handlungsfäden vernachlässigt. Nicht so bei Cornwell. Die von ihm dargestellten Charaktere haben das Zeug, zu guten Freunden zu werden, deren Entwicklung man durchlesene Nächte lang nicht missen will. Merlin zum Beispiel bekommt bei Cornwell eine nachvollziehbar erscheinende dunkle Seite, die oft in seinem etwas ruppigen Verhalten aufblitzt. Na, und wenn Derfel endlich seine Angebetete gewinnt und er, vielleicht etwas zu modern denkend, hinter die Geheimnisse von Merlins Magie blickt, ist man bestens unterhalten.
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