Nach der Lektüre von "Die Alchimistin", "Göttin der Wüste" und "Das Haus des Daedalus" - alles hochspannende Romane - erwies sich "Der Schattenesser" als ein Buch von erstaunlich schlechter Qualität. Schon nach wenigen Kapiteln muß man als Leser zum Schluß kommen, dass dem Autor hier eine wirr zusammengekleisterte Geschichte lediglich als Vehikel dient, um über hunderte von Seiten knietief im Blut herumzuwaten.
Dabei geht es nicht um jenes notwendige Maß an Grusel und Grauen, das jede gute Schauergeschichte wohl erfordert: Vielmehr lässt Kai Meyer wirklich kein Greuel des 30jährigen Krieges aus, um Ekelhaftes und Abstoßendes zu beschreiben, und er streut, als wäre dies nicht genug, an allen Ecken und Enden noch zusätzliche blutige Bizarrheiten ein.
Dabei stört nicht wirklich die detaillierte Beschreibung einzelner Grausamkeiten, sondern vielmehr die unnötige und unmotivierte, vor allem aber schier endlose Aneinanderreihung solcher Schilderungen. So wird von aufplatzenden Pestbeulen und Vergewaltigungen über Meuchelmord, verbrannte Frauen und Kinder, Enthauptung und Pfählung bis hin zur Menschenfresserei alles geboten. Und spätestens, wenn von Kindern berichtet wird, die mit Gedärmen Seilchen springen oder von der einen oder anderen kannibalistischen Mahlzeit, bei der die Hand "tief im Berg des roten Fleisches" verschwindet, während "zwischen den Fingern die feuchten Fetzen hervorquellen", dann scheint hier wohl jemand etwas das Maß der Dinge aus den Augen verloren zu haben.
Denjenigen von uns, die erklärte Fans von Splatter-Filmen sind, in denen Gehirne und Gedärme munter hin und her fliegen, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Für alle anderen gilt: Besser nicht.