Ich muss vorausschicken - ich bin zu diesem Buch über Umwege gekommen. Eigentlich wollte ich das Thema umfassender angehen, indem ich mich mit dem Gesamtkonzept der Individuation laut C.G. Jung beschäftige, von dem die Schattenakzeptanz ja nur ein Teilbereich ist. Ich musste aber feststellen dass es zum Thema Individuation keine Literatur gibt, die eine praktische Umsetzung des Konzeptes ermöglicht. Man kann zwar vielerorts nachlesen was mit dem Konzept im Einzelnen gemeint ist, aber nicht wie man es für sich nutzbar machen kann.
Dieses Buch von Verena Kast versprach anhand der Beschreibung als einziges, einen praktischen Nutzen aus dem Konzept mitzugeben. Dem ist aber nur bedingt so. Hauptsächlich beschreibt die Autorin wichtige Begriffe der jungschen Psychoanalyse und das so anschaulich, dass es auch für Nichtpsychologen vielleicht zum ersten Mal verständlich ist. Hierfür verwendet sie Beispiele aus dem täglichen Leben, aber auch aus Mythen und Märchen. Was zu meiner Entttäuschung allerdings vollständig fehlte, waren konkrete Tipps wie man sich seiner eigenen Schatten leichter bewusst werden kann, und wie die Integration, bzw Akzeptanz am besten zu erfolgen habe. Als einziges Instrument erwähnt sie die Analyse von wiederkehrenden und beunruhigenden Träumen, wobei wohl unterstellt werden darf, dass längst nicht jeder Mensch ständig von Albträumen heimgesucht wird. Und auch diese Menschen müssen eine Zugangsmöglichkeit zu ihren Schattenaspekten erhalten. Es ist also keineswegs ein Buch für die Selbstanalyse, bzw aktive Bearbeitung von Schattenaspekten, sondern kann aufgrund der verwendeten Alltagsbeispiele bestenfalls Denkanstöße bieten.