1908 bricht Professor Peaslee während einer Vorlesung zusammen und als er erwacht, ist er schrecklich verändert.
Sein gewohntes Leben gibt er auf: Statt weiter Vorlesungen zu halten, belegt er selbst Kurse in den verschiedensten Fachrichtungen und unternimmt Reisen in die unterschiedlichsten Regionen der Welt.
Als er schließlich wieder in seiner Heimat angekommen ist, beginnt er mit der Konstruktion einer geheimnisvollen Maschine und als diese fertiggestellt ist, fällt er abermals in eine tiefe Ohnmacht. Als der Mann erwacht, beendet er den Satz, mit dem er in seiner Vorlesung 1908 zusammengebrochen ist: Offenbar ist für den Professor keine Zeit vergangen.
Als Professor Peaslee wieder zu sich kommt, liegt sein Leben in Trümmern. Nach und nach bemüht er sich um die Rekonstruktion dessen, was er in den vergangen sechs Jahren getan und erlebt hat und was ihm zunächst unbegreiflich erscheint, beginnt sich ihm zu erschließen, wobei es seine Träume sind, die ihn näher an die Wahrheit heranführen. Als er schließlich in den Wüsten Australiens die Bestätigung für die schlimmsten Auswüchse seiner Alpträume findet, begreift er, welch schrecklicher Erkenntnis er sich stellen muss ...
Weder an visionärer, noch an visueller Kraft hat Lovecraft je einen Text entworfen, der es mit dem „Schatten aus der Zeit" aufzunehmen vermag.
Bereits der Übergriff der Wesen aus der Vergangenheit in die Gegenwart des Protagonisten zeigt, dass Raum und Zeit Begriffe sind, die nichts tun, als die engen Grenzen der kurzlebigen Rasse namens Mensch aufzuzeigen.
Wenn sich Lovecraft in der „Musik des Erich Zann" selbst vorstellt, dann findet der Leser im „Schatten aus der Zeit" den Entwurf seiner Welt.
Mag der Cthulhu Mythos auch "nur" ein loses System von monströsen Gottheiten sein, so finden sich in der Erzählung doch Hinweise auf das restliche Werk Lovecrafts und was wir an Informationshäppchen bekommen, verweist auf die gedankliche Geschlossenheit in Lovecrafts schriftstellerischem Vermächtnis.
Lovecraft hat die bis dahin geltenen Konventionen der Horrorliteratur überwunden und so lässt sich der „Schatten aus der Zeit" nur schwer in eine bestimmte Kategorie pressen, sondern mischt virtuos Erzählstränge des Okkulten, mit Science Fiction, Dystopien mit typischen Märchenelementen um schließlich ein Finale aufzufahren, dass Horror vom Feinsten ist.
David Nathan stellt sein überragendes Gespür für den Text unter Beweis und überzeugt durch seine unaufdringliche Art, die eben so sehr den wissenschaftlichen Anspruch Peaslees an die Aufarbeitung seiner unerklärlichen Erlebnisse wiedergibt, als auch den Umstand, dass dieses universitäre Gebaren nur ein kläglicher Versuch ist, mit dem Grauen, dass sich hinter all dem verbirgt, irgendwie umzugehen.
Wie ein Handschuh passt die Musik Andy Materns, die die ganze Erhabenheit, die die Äonen umfassende Geschichte umgibt, perfekt wiederspielt. Wie schon in „Der Flüsterer im Dunkeln" kreiert Matern einen Soundtrack für das Audiokino.
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LPL Records hat einmal mehr einen Leckerbissen kredenzt, den sich kein Fan klassischer Horrorliteratur entgehen lassen sollte: In dem geschmackvollen Schuber findet sich ein weiterer Grund, warum „Die Bibliothek des Schreckens" längst die Referenz für Hörbücher ist.