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Der Schatten des Schwans/Schwemmholz: Zwei Romane in einem Band [Taschenbuch]

Ulrich Ritzel
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Scharf beobachtet und glänzend geschrieben. Kein Zweifel: von diesem Autor möchte man mehr lesen." (Die Zeit)

"Da passt einfach alles." (Süddeutsche Zeitung)

Klappentext

Über: "DER SCHATTEN DES SCHWANS"

"Dies ist wohl einer der aufregensten Krimis aus deutscher Hand, die ich seit langem gelesen habe ... Ein großartiges Debüt"
Renée Zucker, ZDF

"Ein toller Erstling: Plot, Personen und Atmosphäre - mit Witz und Wärme, hervorragend ausgeführt. Ich habe lange nicht mehr so lange an einem Stück gelesen, und zwar mit Genuss."
Gisbert Haefs

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Ulrich Ritzel, geboren 1940, gilt als einer der besten Kriminalautoren Deutschlands. Nach seinem Jurastudium arbeitete er jahrelang für verschiedene Zeitungen, 1981 erhielt er für seine Gerichtsreportagen den renommierten Wächter-Preis. Seine Kommissar-Berndorf-Krimis »Schwemmholz« und »Der Hund des Propheten« waren preisgekrönt, "Beifang« wurde mit dem Deutschen Krimipreis 2010 ausgezeichnet, "Schlangenkopf" stand monatelang auf der Krimizeit-Bestenliste. Ulrich Ritzel lebt seit 2008 in der Schweiz.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der Schatten des Schwans

27. April 1945
Die beiden Jagdmaschinen zogen steil vor der Hügelkette an der anderen Talseite hoch und tauchten über der Kuppe ab. Das Jaulen der Motoren erstarb, Stille breitete sich aus. Die Welt war taub geworden. Sogar die Vögel waren verstummt, als warteten sie auf den nächsten Angriff.
Es war später Vormittag, doch die Sonne stand noch tief und warf lange und kühle Schatten. Im Tal blieb es ruhig, und langsam kehrten die Geräusche des Waldes und des Talbachs zurück. Am Ufer hätte man die ersten Schlüsselblumen finden können.
Ein Mann löste sich aus dem Schutz einer Tannendichtung und trat vorsichtig auf die Waldstraße heraus. Er war hoch gewachsen und hatte ein schmales, scharf geschnittenes Gesicht mit den ungerührten blauen Augen friesischer Vorfahren.
Der Opel stand wenige Meter weiter, halb verdeckt unter den herabhängenden Zweigen einer Linde. Das Laub war frisch und jung, wie eine Fontäne von zartem Grün. Es würde ein schönes Frühjahr werden. Wenn du nicht aufpasst, dachte Hendriksen, wirst du nicht viel davon haben! Nachdenklich starrte er auf den Wagen, wie zufällig folgten seine Augen der Reihe von Löchern, die in gleichmäßigen Abständen in das Blech der Motorhaube und in die Windschutzscheibe gestanzt waren. Dann wunderte er sich, wie lange er gebraucht hatte, um zu begreifen, was sie bedeuteten.
Langsam ging er zur halb geöffneten Fahrertür. Koslowski hing über dem Steuerrad. Hendriksen hob ihm den Kopf an, dann sah er die feuchten Flecken, die sich auf der Uniformjacke des Fahrers ausbreiteten. Automatisch griff er nach dem Handgelenk des Mannes und fühlte nach dem Puls: nichts.
Aus dem Wagen tropfte Flüssigkeit. Kraftstoff? Kühlwasser? Gleichgültig, dachte Hendriksen. Den Wagen musste er aufgeben. Einen anderen würde er nicht mehr bekommen, nirgendwo. Morgen sollte er am Grenzübergang in Stein am Rhein sein. Wie viel Kilometer waren es bis dahin? Fünfzig? Oder sechzig?
Leclerc sei bei Villingen durchgebrochen, hatte ihm gestern Abend in dem überfüllten Wirtshaus ein Stabsoffizier gesagt, ein Major. Es war in einem kleinen Dorf hinter Saulgau, die Stromversorgung war unterbrochen, die Wirtin hatte ihnen eine Kerze und einen Krug mit saurem Most an den Tisch gebracht; sie war eine noch junge Frau, schwarz gekleidet, ihr Gesicht von Kummer gezeichnet. Aber ihre Augen waren überall, forschend und hungrig. Am Tisch neben Hendriksen wurde französisch gesprochen, die Männer trugen Anzüge mit spitz auslaufenden Revers und waren über eine Straßenkarte gebeugt. Es waren Versprengte des Sigmaringer Vichy-Hofstaates, der sich nun auf den Landstraßen Oberschwabens aufzulösen begann. Drei Frauen saßen dabei, mit breitkrempigen Hüten und in Mäntel gehüllt, die längst fadenscheinig waren und doch immer noch nach Paris 1942 aussahen. Eine der Frauen warf ihm einen prüfenden Blick zu und wandte die Augen sofort wieder ab. Sie hat begriffen, dachte er: Gute Gesellschaft für jemanden, der die nächsten Monate überleben will, sieht anders aus.
Im großen Nebensaal drängten sich Flüchtlingsfrauen mit ihren Kindern, die so erschöpft waren, dass sie trotz ihres Hungers eines nach dem anderen eingeschlafen waren. Und überall, in der Atemluft und in den Kleidern, hing der Geruch nach Schweiß und Elend.
Hendriksen fragte sich, ob die Menschen um ihn herum Angst empfanden. Oder ob sie einfach zu müde waren, um an die nächsten Tage zu denken. An Leclercs marokkanische Soldaten und das, was sie mit den Frauen und Kindern tun würden. Später am Abend hatte eine Kolonne ausgemergelter Männer mit halb toten Pferden vor dem Gasthof Halt gemacht. Zwei ihrer Offiziere, hagere Männer mit dem Andreaskreuz auf der Uniform, fragten in gebrochenem Deutsch nach dem Weg, offenbar wollten sie nach Ravensburg. Der Major gab Auskunft, dann kehrte er mit einer entschuldigenden Geste an den Tisch zurück. »Die Reste von Wlassows Leuten«, sagte er achselzuckend. Man werde sie entwaffnen müssen, sie seien nicht mehr zuverlässig. »Falls wir noch jemand haben, der ihnen die Gewehre abnimmt.«
Der Major verstand nicht, warum Hendriksen nach Südwesten, an den Oberrhein wolle. Leclercs Franzosen würden in drei Tagen am Bodensee und in Konstanz sein, sagte er. Inzwischen werde man versuchen, am Lech und im Allgäu eine neue Verteidigungslinie aufzubauen: »Vielleicht hält die Pastete dann noch zwei oder drei Tage.«
Nun ist es so weit, dachte Hendriksen. Die Wehrmacht läuft davon.
Das war gestern gewesen, und gestern hatte er noch einen Wagen gehabt und einen Fahrer und Treibstoff. Aber jetzt, in diesem verfluchten Waldtal tief irgendwo in Oberschwaben, wusste er: Das Spiel war wirklich aus. Ende. Vorbei. Er würde nicht mehr an den Franzosen vorbeikommen. Der Herr Syndikus Toedtwyler würde vergebens warten. Schade. Schade um die Forschungsergebnisse, die unendlichen Mühen der Versuche, die Zumutungen, die er und seine Mitarbeiter auf sich genommen hatten und von denen sie keinem Außenstehenden jemals würden berichten können. Schade um die Devisen, und gottverdammt schade um den schönen neuen Pass, den ihm Toedtwyler versprochen hatte.
Reiß dich zusammen, wies sich Hendriksen zurecht. Aus dem Gebüsch am Waldrand hinter ihm drang ein halb unterdrückter Schmerzenslaut, fast ein Wimmern. Also hatte es auch den Wehrmachtsleutnant erwischt, der ihm als Eskorte beigegeben war, das unbeschriebene Blatt, blond und blass und malariakrank. Als die Jagdmaschinen zum Sturzflug ansetzten, hatte auch er sich aus dem Wagen fallen lassen wie Hendriksen. Jetzt lag der junge Mensch zusammengekrümmt im Straßengraben. »Kamerad, so helfen Sie mir doch«, bettelte er. Hatte er wieder einen Fieberanfall? Dann sah Hendriksen das Blut. Offenbar hatte der kleine Leutnant einen Schuss in den Oberschenkel abbekommen, vielleicht war der Knochen getroffen. Trotzdem, der Kleine würde überleben. Wenn er nicht am Fieber starb. Jedenfalls hatte niemand einen Grund, ihn vor ein Peloton zu stellen. Oder ihn aufzuknüpfen.
Bei Dr. med. Hendrik Hendriksen sah das, wie er selbst nur zu gut wusste, ein wenig anders aus. Illusionen hatte er sich noch nie gemacht. Was soll’s, dachte er sich dann: »Auch die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn.« Das hatte ein Raubritter gesagt und seinem Ross die Sporen gegeben. Freilich hatte der noch ein richtiges Pferd, nicht bloß einen Haufen kaputten Blechs.
Der Name des Haudegens wollte ihm nicht einfallen. Schall und Rauch. Im Getümmel dieser allgemeinen Auflösung ohnehin. Er wusste nicht einmal mehr den Namen dieses unglücklichen Leutnants. Der eine war so gut wie der andere. Was wäre denn, wenn man den Leuten, die so scharf aufs Erschießen und Aufhängen waren, ihren Toten gleich und ohne weitere Umstände liefern würde, so dass die Herren Sieger sich die Mühe gar nicht erst machen müssten?
Er ging zum Wagen. Der Tod hatte Koslowskis Gesicht gelöscht. Hendriksens Arzttasche stand unter dem Beifahrersitz. Er zog sie hervor und kehrte zu dem Verwundeten zurück. »Gleich ist dir geholfen, Kamerad«, sagte er dann, und zog seine Walther heraus. Der bleiche junge Mann blickte zu ihm hoch, fragend. Auf seiner Stirn unter dem schon zurückweichenden blonden Haar standen Schweißperlen. Dann trat Entsetzen in seinen Blick.

Freitag, 23. Januar 1998
»Was ist das für eine abscheuliche Geschichte!« Angewidert blätterte die Vorsitzende Richterin am Landgericht Isolde Kumpf-Bachmann durch einen der vor ihr liegenden Aktenordner: »Mit einem Rasiermesser ... mein Großvater hatte so etwas, ich erinnere mich gut, das sah immer sehr gefährlich aus, und regelmäßig hat er sich geschnitten und man musste sofort einen Alaunstein drauftun. Aber heute?«
Ekkehard Lühns, Berichterstatter in der Strafvollstreckungskammer, warf einen leidenden Blick auf die Kakteen am Fenster des Kumpf-Bachmannschen Dienstzimmers: Auch diese blühten niemals, aber wenigstens...
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