Soyener verbindet mit diesem biographischen Roman über den bedeutenden französischen Militärchirurgen Larrey dreierlei: zum Einen die Lebensgeschichte einer imponierenden Persönlichkeit, die Besichtigung des Napoleonischen Zeitalters aus militärischer Sicht, aber vor allem: die Geschichte der Feldzüge aus der Sicht der Soldaten, die sich für Kaiser und Vaterland verstümmeln lassen und zu Krüppeln werden.
Bislang habe ich kein Buch gelesen, das so nachhaltig die Folgen der geschlagenen Schlachten, das blutige Gemetzel, zigfache Operationen der Feldchirurgen, aufgetürmte Gliedmaßen, das Waten in Blutpfützen derart eindringlich geschildert hat. Die ganze Tragik des ägyptischen Feldzuges und der Untergang der großen Armee auf dem Wege nach Moskau mögen hier vor allem beispielhaft angeführt sein. Hier hat Soyener wirklich eine sehr glaubwürdige und beeindruckende Schilderung abgeliefert. Mag er sich auch manchmal im Detail verlieren (wobei er dies im "Teeclipper" weitaus mehr getan hat!), so ist das Buch wunderbar geschrieben, immer wieder mit Rückblenden aus dem Jahre 1840, als Napoleons sterbliche Überreste nach Paris überführt werden, teilweise aus der Sicht eines Erzählers, dann wieder aus den Memoiren von Larrey. Larrey selbst erscheint dem Leser als liebenswürdiger Mensch, mit äußerster Tatkraft, wenn es um das Retten von Menschenleben auf den Schlachtfeldern Europas geht, menschlich integer, zugleich verstrickt in eine Liebesgeschichte ohne Happy End.
Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen!