Entsetzliches Bekenntnis führt zur Absolutionsverweigerung
Aus einem bisher auch für mich noch nicht erschöpfend ergründeten Grund liebe ich Kriminalgeschichten, deren Handlungshergang die kirchliche und säkulare Welt miteinander verknüpfen oder zum Thema haben. Mit dem Thriller „Im Schatten des Herrn" traf genau ins Schwarze. Von der ersten bis zur letzten Seite war ich gefesselt von der unglaublichen Geschichte, die so zeitgemäß realitätsnah formuliert jegliche Erlebens-Distanz verhindert.
Es fällt mir schwer, nicht alles zu verraten, denn am liebsten tauschte ich mich immer wieder mit Anderen über das Gelesene aus, denn es reicht viel weiter, als dass es nur eine spannende Geschichte ist. Menschliche Existenz und göttliche Macht sind gleichermaßen angesprochen.
Erwartungsgemäß beginnt der Krimi mit einem Fall, der verfolgt sein will. Ein Mann beichtet in einem kleinen italienischen Kirchlein und offenbart dabei etwas so Ungeheuerliches, dass ihm der Priester die Absolution nicht erteilen kann. Umgehend macht sich der Geistliche auf nach Rom und versucht, sein Wissen mit seinem obersten Hirten zu besprechen.
Fast zeitgleich ereignet sich in einer vornehmen Siedlung am Stadtrand von Washington eine fürchterliche Tragödie, bei der eine alleinerziehende Frau und ihr kleiner Sohn auf grauenvolle Weise ums Leben kommen. Der Bruder der Toten macht sich - unterstützt von anderen Kriminalisten - auf die Suche nach Ursache und vor allem nach dem Mörder. Im Zeitverlauf geschehen weitere vergleichbare Fälle, die sich über die halbe Welt verteilt ereignen und ihren Zusammenhang mehr und mehr deutlich erkennen lassen. Hinter all dem Leid scheint die „Umbra Domini" zu stecken, eine extrem konservative katholische, sektenähnliche Organisation. Die Gründe für die schlimmen Vergehen sind aber auch in den Geheimnissen und Möglichkeiten moderner Medizintechnologie zu finden. Die Auflösung entwickelt sich im Verlauf immer durchschaubarer, das eigentlich Irre jedoch wird erst 30 Seiten vor Schluß offenbart und war für meine Vorstellung ein wirklicher „Hammer", über dessen reelle Möglichkeit nachzudenken und zu diskutieren sich lohnen wird.
Für alle, die sich einer zeitgemäßen Problematik und ethischen Anfrage auf absolut spannende und doch durchaus leichte Lesweise annähern möchte, findet in „Im Schatten des Herrn" eine ausgezeichnete unterhaltsame Gelegenheit.
Uli Geißler, Spiel- und Kulturpädagoge