Zum Inhalt: 'Der Schatten über Innsmouth' erzählt eine Horrorgeschichte über den gleichnamigen Ort, in dem unerklärliche Dinge vor sich gehen. Der Erzähler (Lutz Riedel), ein Hobbyarchäologe, reist nach Innsmouth, um sich dort umzuschauen. Ihm wird schon vor seiner Anreise mit dem Bus allerhand Bedrohliches und Seltsames über den Ort und seine Bewohner, die sehr isoliert leben, erzählt, und es wird ihm dringend geraten, keine Nacht dort zu verbringen, sondern die Stadt am Abend seiner Anreise möglichst gleich wieder zu verlassen... Neugierig macht er sich auf den Weg. Schon bald kann er sich von der Andersartigkeit der Innsmouther selbst ein Bild machen, denn sie tragen alle den 'Innsmouth-Look' zur Schau: schorfige Haut, lange Gesichter, Hautverwerfungen, Augen, die sich niemals schließen... von ihnen geht eine bedrohliche Atmosphäre aus.
Zudem hört der junge Gast vor Ort Geschichten über das Teufelsriff, das der Stadt vorgelagert ist, Geschichten von seltsamem Goldschmuck, dem esoterischen Orden von Dargon, der Mutation der Bewohner, die - je älter sie werden, umso mehr ihr Aussehen verändern, bis sie sich schließlich nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen. Er begegnet einem uralten Trunkenbold (Joachim Kerzel als Zadok Allen), der ihm konfuse Geschichten erzählt über Verbindungstunnel unter den Häusern und fremdartige Wasserwesen, denen Menschen zum Opfer dargebracht werden.
Kann er diesen Geschichten Glauben schenken? Warum gibt es in dem Ort, der ein nicht greifbares Unbehagen in ihm auslöst, keine Katzen oder Hunde? Warum sieht er fast nur junge Menschen? Was hat es mit dem seltsamen Talisman auf sich, von dem ihm Zadok erzählt? Was sind das für fremdartige Stimmen, die er aus vernagelten Häusern und hinter verriegelten Fenstern halbverfallener Gebäude hört? Der Abend naht, der Bus kann wegen einer Panne den Ort nicht verlassen, und schließlich sieht sich der junge Erzähler tiefer in die Geschehnisse verstrickt, als ihm lieb ist...
Joachim Kerzel (u.a. die deutsche Stimme von Jack Nicholson und Sprecher bei John Sinclair), der in seiner Rolle als Zadok Allen außer einem winzigen Patzer eine - wie gewohnt - starke Leistung hinlegt, wird meiner Meinung nach von Lutz Riedel (deutscher Sprecher von Timothy Dalton) noch an die Wand gespielt. Riedel, eine echte Entdeckung für den Hörbuchsektor, weiß Atmosphäre zu verbreiten und überzeugt als Hauptsprecher dieser Lesung total! Es ist ein Genuss ihm zuzuhören.
Die Musik von Andy Matern wirkt atmosphärisch dicht und unterstreicht die unbehagliche Atmosphäre, die die Story entwickelt, von Anfang an sehr gut. Geräusche setzt Regisseur Frank Gustavus (bekannt u.a. als Regisseur von 'Jack the Ripper'/ripperrecords), den man für diese Produktion gewinnen konnte, sehr spärlich ein, nämlich nur beim Part von Zadok Allen, der einen längeren Auftritt auf CD 2 hat. Den Rest der Erzählung bestreitet Erzähler Lutz Riedel alleine, nur begleitet von Materns Musik, die hin und wieder eingestreut wird.
Die Atmosphäre, die mithilfe dieser dezenten Begleitkulisse entsteht, ist genial! Dass weniger manchmal mehr sein kann, stellt Regisseur Frank Gustavus hier mit Geschick unter Beweis.
Eigentlich reichen zwei Worte, um diese Produktion von vorne bis hinten zu beschreiben: schlicht und gleichzeitig brillant - was sowohl für die Musik und die Effekte, die Cover- und Inlay-Gestaltung sowie die gesamte Inszenierung gilt.
-gruenspatz-