Haben Sie sich nicht schon immer gefragt, woher der Ausdruck "getürkt" stammt? Offensichtlich bedient man sich hier nicht einer diskriminierenden Äußerung gegen eine bestimmte Volksgruppe. Vielmehr haben wir diesen Begriff einer scheinbar leblosen Maschine zu verdanken, deren Erfinder ihr das Aussehen eines Osmanen gab und deren Geheimnis im Innern des Hohlkörpers lag. In Wirklichkeit waren die Fähigkeiten des Schachautomaten denn nicht der Wissenschaft und dem Erfindergeist zu verdanken, sondern lagen im Genie des höchst menschlichen Innenlebens verborgen. Ein zwergenhafter Mensch verhalf der Erfindung von Wolfgang von Kempelen zu großem Ruhm. Dabei spielte er seine geheime Rolle so perfekt, dass sich die faszinierten Menschen gerne täuschen ließen.
Diese Faszination hat Robert Löhr aufgegriffen und die historischen Fakten mit der eigenen Phantasie verknüpft. Der ehrgeizige von Kempelen präsentiert im Jahre 1770 der Kaiserin Maria-Theresia einen Androiden, der sogar ihre Hoheit im Schachspiel besiegen kann. Mit den adligen Segenswünschen reist von Kempelen von Stadt zu Stadt und sichert sich die Bewunderung der Zuschauer. Einzig sein Rivale Knaus betrachtet die Maschine mit Misstrauen und möchte das dunkle Geheimnis lösen. Auch der Zwerg Tibor, der in dem Schachautomaten sitzt und schwitzt, möchte dem Betrug gerne ein Ende machen. Die Neugier einer jungen Adligen bringt die Betrüger in eine schwierige Lage. Zwar gelingt es von Kempelen deren Tod als Unfall darzustellen, aber gleichzeitig scheint damit die schicksalhafte Verbindung des genialen Schachspielers mit dem Automaten für immer besiegelt zu sein. Ist die Beendigung des Schattendaseins auch gleichzeitig das Todesurteil für Tibor und vielleicht auch für Wolfgang von Kempelen?
Im Anhang zu seinem Roman geht Robert Löhr auf den geschichtlichen Hintergrund seines Romans ein. Zwar gibt er zu, dass der Charakter von Wolfgang von Kempelen wohl nicht ganz genau getroffen ist. Da eine überzogene Darstellung des Erfinders aber die dramatischen Elemente der Geschichte unterstützt, ist dies wohl zu entschuldigen. Während im Roman das verborgene Leben des Menschen in der Maschine beleuchtet wird, kann man hier auch noch einige interessante Fakten über das Schicksal des Automaten nachlesen.