"Der Schachautomat" ist ein perfektes Buch für alle, die "Das Parfüm" gelesen haben und seither auf Vergleichbares warten. Es ist - auch hier - die Geschichte eines geselschaftlichen Aussenseiters, der sich, ausgestattet mit einer aussergewöhnlichen Begabung in seiner Zeit behaupten muss. Klug - und dabei nicht bildend aufdringlich - verwebt Robert Löhr gesellschatfliche und persönliche Geschichte seines Protagonisten und dessen Umfeld; vom Streben nach persönlichen Erfolg mit allen Mitteln, von Intriegen, Verrat, Mord und Täuschung, sowie vom Absolutismus und dessen kontroverse Wirkung auf Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Zwerg Tibor, hin- und hergerissen zwischen Glauben und Betrug, Liebe und Verrat, dem Streben nach Freiheit und dem selbst gewählten Gefängnis. Somit ist er Spiegel seiner Zeit, die er und die ihn nur scheinbar vom Spielfeldrand aus wahrnimmt.
Dabei sind die einzelnen Kapitel, Szenen und deren Details so unaufdringlich genau, dass man sich schon nach ein paar Zeilen mitten im Geschehen befindet, eher in einen Film eingebunden, als "nur" ein Buch lesend.