Patrick Redmond bekommt von mir für sein zweites Buch nach "Das Wunschspiel" die volle Punktzahl, denn "Der Schützling" hat mich wirklich begeistert. Um was geht es: Für Michael, einen im Waisenhaus aufgewachsenen, mittlerweile erfolgreichen Junganwalt, glücklich leiert mit seiner Traumfrau Rebecca, scheint das Leben in guten Bahnen zu verlaufen, als er seinen neuen Vermieter Max kennenlernt, einen selbstsicheren, charismatischen Endvierziger mit geradezu unerhörtem Reichtum und gesellschaftlichem Einfluss. Als Michael erfährt, dass Max selbst seine Kindheit ohne Eltern in Waisenhäußern verbracht hat und sieht, zu was es Max gebracht hat, ist er einigermaßen beeindruckt, als dieser beginnt sich für Michael zu interessieren, ihn einzuladen, ihn anzurufen und so etwas wie ein väterlicher Freund zu werden. Endlich hat Miachael einen Menschen gefunden, dem er sich offenbaren kann, der ihn versteht und der seine Vergangenheit richtig einzuschätzen weiß. Doch Rebecca, Michaels Verlobte, reagiert, obwohl zu Anfang ebenfalls begeistert, plötzlich zurückhaltend und eifersüchtig auf Max, spürt sie doch intuitiv, dass dieser so plötzlich aufgetauchte "Freund" Michael immer mehr vereinnahmt und einen Keil zwischen das junge Paar zu treiben beginnt. Michael kann das nicht verstehen und merkt erst nach und nach, wie Max die Umwelt manipuliert, um den jungen Anwalt ganz für sich allein zu haben. Dass das kein gutes Ende nehmen kann, ist uns Lesern klar und so lassen wir uns gespannt durch die 500 Seiten tragen, die ein fatales Abbild menschlicher Abgründe offenbaren. Macht, Hass, Intrigen, Verachtung, Abhängigkeit und tiefes Leid, aber auch Liebe, grenzenloses Vertrauen und tiefe Zuneigung; von all dem erzählt Patrick Redmond in seiner unnachahmlichen gefühlvollen Art und Weise. Dabei bringt er uns seine Charaktere zum Greifen nahe. Jede ihrer Handlungen und Sichtweisen scheint nachvollziehbar und logisch. Redmond manipuliert seine Leser in ihren Einschätzungen und Sympathien für seine Figuren, gerade wie es ihm beliebt, und das ist es gerade, was Patrick Redmond zu einem so herausragenden Schriftsteller macht. Mich hat "Der Schützling" nachhaltig beeindruckt und nachdenklich gemacht, und ich warte gespannt und neugierig auf das nächste Buch des Autors.