Wer die ersten Seiten des Bilderbuches liest und betrachtet, wird sich wohl eher fragen, was das Ganze soll. Ein paar filigrane Zeichnungen und ein irischer Schäfer, der Angst um seine Schafkonstruktions-Modelle hat. Die Zeichnungen sind ausgesprochen akribisch in Schwarz-Weiß ausgeführt und entbehren nicht der Komik; wenn zum Beispiel ein "Frühstücksschaf" einen Toast auswirft oder ein "Schafsack" zu einer Wärmeflasche mutiert ist. Nach der Präsentation von zehn Schaf-Modellen kommt wieder der Schäfer ins Spiel. Denn er hat Angst, große Angst, ein Schaf zu verlieren. Die daraufhin folgende Zeichnung einer Urne wirkt etwas seltsam. Doch dann löst sich die Spannung wieder etwas auf; denn es werden "Die vier gefährlichsten Krankheiten" gezeigt, die ein Schaf erleiden könnte. Dies wären "Frakturen", "Zahnausfall", "vorzeitiges Rosten" und "verlorene Spannkraft". Ebenso könnte ein (Reiß-)"Wolf" oder der Weststurm die Schafe zunichte machen. Relativ nüchtern geht es dann weiter, dass der Schäfer einfach seine Schafe verkauft und das macht, was er schon immer gern hatte... Die Geschichte endet dann damit, dass "nicht alles, was man kann, auch das ist, was einen glücklich macht." So ist das Bilderbuch zugleich ein kleines philosophisches Buch über die persönlichen Fähigkeiten und Leidenschaften sowie die Kompromisse, die man einzugehen bereit ist.
Mit seiner skurrilen Bleistifttechnik schafft der Illustrator Einar Turkowski eine an Dali erinnernde, surreale Bildwelt, die in ihrer Einfachheit zunächst verwirren wird. Nach mehrmaligem Lesen und Betrachten findet man in der reduzierten Sprach- und Bildwelt jedoch immer noch Details, die einen zum Nachdenken anregen. Ein Buch gegen Trott, gegen Fremdbestimmung und für die Verwirklichung seiner Träume...und seien sie noch so surreal.
Das Buch eignet sich auf jeden Fall für Jugendliche und Erwachsene. Bei Kindern, die noch nicht auf eine weiterführende Schule gehen, wird man sich eher fragen, ob sie die Ironie und Sprachbilder tatsächlich verstehen. Das Buch wird aber auf jeden Fall dazu anregen, selber Schafe zu zeichnen oder aber doch andere Pläne zu verwirklichen...es kommt auf jeden persönlich an.