Dieses Buch kommt gerade recht, denn es füllt eine bisher schmerzlich vermisste Lücke auf dem deutschsprachigen Buchmarkt. Es ist die erste ausführliche, aber einfach und verständlich geschriebene Anleitung zum Brotbacken nach dem "Reinheitsgebot für Brot": Mehl, Wasser und Salz. Sonst nichts.
Den größten Teil - gut die Hälfte der insgesamt 179 Seiten - nehmen die Anleitungen und Erklärungen ein. Wer das alles gleich lesen möchte, lernt dabei eine ganze Menge über Geschichte, Biologie und Chemie des Sauerteiges, über Getreide und Mehlsorten mit ihren Backeigenschaften, Handwerkliches übers Brotbacken und über die Herstellung, Pflege und Verwendung von Sauerteig in der heimischen Küche.
Ein kleines bisschen Fach-Chinesisch ist natürlich auch dabei.
Kann man natürlich alles sofort lesen - muß man aber nicht. Die Ungeduldigen können gleich loslegen und ihren ersten Sauerteig ansetzen. Bestenfalls muß man vorher noch schnell richtiges Brotmehl einkaufen gehen, dann kann's los gehen: Mehl und Wasser zusammenrühren, an ein warmes Plätzchen stellen, täglich füttern und... warten. 5 Tage lang. Dann kann man endlich das erste eigene Sauerteigbrot backen. Weil es doch eigentlich ganz einfach war, ist es nun zum "Eigenbrötler aus Gewohnheit" nicht mehr weit. Das Buch enthält eine ganze Reihe von Rezepten für Brot, Brötchen und Kleinteile, Kuchen und Sonstiges. Dabei kann man es ja dann eigentlich belassen...
Außer es geht einem wie mir: irgendwann (wahrscheinlich recht bald) kommt der Wunsch, die Rezepte nicht einfach nur nachzubacken, sondern zu verstehen, um sinnvolle Abwandlungen vorzunehmen. Was so einfach aussah, unterliegt eben doch Gesetzmäßigkeiten, die eingehalten werden wollen. Spätestens jetzt merkt man, wie wertvoll dieses Buch wirklich ist: man kann fast alles nachlesen, was man als Laie übers Brotbacken mit Sauerteig wissen möchte. Wer hier keine Antwort findet, besucht die Webseite - es gibt nichts, was man dort zum Thema Sauerteig nicht beantwortet bekommt. Man kann sich nächtelang darin aufhalten, immer wieder, und backen bis die Gefriertruhe überquillt und alle Nachbarn versorgt sind.
Am Ende hat man ein völlig zerfleddertes Buch, kann die Erklärungen nachts im Schlaf aufsagen und beherrscht die hohe Kunst des Brotbackens: eine unendliche Vielfalt an Brot, bestehend aus: Mehl, Wasser und Salz, sowie etwas Wärme und Geduld. Viel Geduld. Was diese Brote aber auszeichnet, ist die Abwesenheit sämtlicher Zusatzstoffe, die in handelsüblichen Broten enthalten sind.
Martin Pöt Stoldt's Buch ist wärmstens zu empfehlen für Menschen, die
- mit dem Brot vom Bäcker unzufrieden sind oder einfach mal wissen möchten, wie gut gutes Brot schmecken kann,
- an einer der allgegenwärtigen Unverträglichkeiten leiden und sicherstellen möchten, dass ihr Brot keine unerwünschten Zutaten enthält,
- der Turbo-Brote und des Einheitsgeschmacks von handelsüblichen Broten überdrüssig sind,
- auf der Suche nach dem einzigartigen Geschmack von selbstgebackenem Brot sind,
- oder ganz einfach Freude am Selberbacken haben.