Der Sandmann ist ein sehr vielschichtiges, tiefgründiges Werk. Da hier schon zahlreiche sehr gute Rezensionen vorliegen, die auf verschiedenste Aspekte eingehen und ich mich in letzter Zeit mit moderner Horrorunterhaltungsliteratur befasst habe, möchte ich mich auf den Horroraspekt der Erzählung beschränken.
E.T.A. Hoffmann skizziert mit einigen wenigen Pinselstrichen ein Meisterwerk des Horrors. Ich habe noch nie zuvor irgendetwas gelesen, das so erschreckend ist und unter die Haut geht wie der Eröffnungsteil des Sandmanns. Bemerkenswert ist, dass Hoffmann diese schreckliche Bild des Sandmanns in einer düsteren, angespannten Atmosphäre sehr kurz und präzise erzählt ohne weit auszuschweifen. So manch moderner, gefeierter König des Horros schafft auf 1000 Seiten nicht, was Hoffmann auf nur 10 erledigt. Beim Lesen hat man das Gefühl, dass man sich tatsächlich selbst in der Situation befindet: man ist ein Kind, das mit Schrecken darauf wartet, dass der Sandmann die Treppe heraufgeht. Die Figur des Sandmanns selbst ist in wenigen Worten so erschreckend und furchteinflößend dargestellt, dass man hofft ihm niemals zu begegnen.
Allein der von mir beschriebene Aspekt verdient sich 5 Sterne. Dieser ist aber, wie bereits oben erwähnt, nur einer von vielen, den dieses Meisterwerk zu bieten hat.