Neue Zürcher Zeitung
«Der Sammler der Augenblicke» von Quint Buchholz
gew. Zum beruhigenden Grundton seiner hyperrealistischen Bilder gesellt sich bei Quint Buchholz immer auch eine untrügliche Ahnung von den Grenzen des Faktischen. Mit dieser in ihrer Wirkung immer leicht melancholischen Mischung hat der deutsche Illustrator seinen Teil zum Erfolg jener Bestseller beigetragen, deren Umschlag- bzw. Gesamtgestaltung er übernommen hat: die deutschsprachige Jostein-Gaarder-Bände beispielsweise oder Elke Heidenreichs «Nero Corleone». Eine geradezu magische Faszination schliesslich geht von Buchholz' Bilderbüchern aus, die im Zusammenspiel von Text und Bild fiktionale Grenzen verschieben und somit der Imagination Tür und Tor öffnen. «Der Sammler der Augenblicke», das zweite völlig eigenständige Werk des Illustrators und Autors (nach dem 1993 erschienenen Band «Schlaf gut, kleiner Bär»), ist eine Anleitung zum unvoreingenommenen Betrachten der Welt.
Quint Buchholz erzählt darin die Geschichte eines Knaben, dessen Weltsicht durch die Bekanntschaft mit einem Maler entscheidend erweitert wird. Kleine, menschenleere Schwarzweissillustrationen begleiten den ersten Teil, den Erzählteil des Buches, der ganz dem stillen Beobachten und intensiven sinnlichen Durchdringen der Wirklichkeit gewidmet ist. Immer wieder ist darin von den gerade entstehenden Bildern die Rede die der Bube vorerst nicht zu Gesicht bekommt. Er dürfe seine Bilder nicht zu früh zeigen, weil er sonst den eigenen, unsichtbaren Weg zu diesen wieder verlieren könnte, lautet die Erklärung des Malers. Im zweiten Teil des Buches aber ist es dann soweit: Eine Privatausstellung im Maleratelier lässt den Knaben und mit ihm die Leserinnen und Leser in die Welt der Bilder eintauchen.
Die vierzehn grossformatigen, farbigen Bilder zeigen menschliche Lebensräume, festgehalten in einem bestimmten Augenblick atmosphärischer Dichte, der das Einbrechen einer imaginären Welt erlaubt. Und so finden sich überraschende Irritationen in diesen photogenauen Wiedergaben: ein Riesenpaket auf einer Wiese, ein fliegender Wohnwagen, Schnee-Elefanten, die im diffusen Licht eines Schneegestöbers vorüberziehen, und ähnliches. Sie weisen weit über das Referenzsystem sachlicher Wahrnehmung hinaus. Ein Spiel mit den Grenzen des Horizontes, das eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Stellenwert der Phantasie ebenso zulässt wie rein spielerisches Assoziieren.
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Seine Bücher sind inzwischen in über zwanzig Sprachen publiziert und mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet worden.
Heute arbeitet der Maler und Illustrator im eigenen Atelier in München-Haidhausen und lebt gemeinsam mit seiner Frau, seinen drei Kindern (und einer Katze) in Ottobrunn bei München.