Ich habe dieses Buch gerade beendet und mir ist immer noch schlecht. Wahrscheinlich bin ich eine dieser Zartbesaiteten, die vor der Lektüre eines solchen Buches gewarnt werden. Und dennoch - oder gerade deshalb - gebe ich dem "Rumpf" fünf Sterne, weil es mich wieder einmal aufgerüttelt hat. Der Autor hält einem die Hässlichkeit dieser Welt so ungeschönt vor Augen, dass der an seidenmatt glänzende Hollywoodkörper gewöhnte Leser gezwungen wird, aufzuwachen aus seinem Duschgelwerbetraum und die Abartigkeiten, die überall herum um uns passieren, wahrzunehmen. Ich habe noch nie einen Menschen ohne Arme und Beine gesehen, kein Contergan - Kind, keine Krüppel. Und warum? Weil wir sie wegsperren in Anstalten und sie nicht sehen wollen.
Doch das Buch weckt kein Mitleid mit dem behinterten Daniel, es zeigt keine Engel in deformierten Körpern, das Buch will nicht gefallen, den Leser nicht mit einem befriedigten Gefühl zurück lassen, dass alles gut ausgegangen ist. "Der Rumpf", ebenso wie alle anderen Bücher von Akif Pirincci, zeigt uns Abgründe und hässliche Seelen, die leider immer weniger selten werden. Er erinnert uns daran, dass die Welt von sich aus nicht gut ist. Darum - und natürlich wegen seines unvergleichlichen Stils, der immer aufs neue erfrischend ist und es einem unmöglich macht, das Buch zur Seite zu legen - empfehle ich das Buch an alle Leser weiter, die mehr wollen, als nur unterhalten zu werden.