Buck, ein großer Farmhund aus dem sonnigen Kalifornien, wird nach Alaska verkauft und dort zum Schlittenhund ausgebildet. Das Leben ist extrem roh, durch harte Arbeit, Gewalt und Hunger und immer wieder den Anblick des Todes verwildert Buck und wird zusehends zum reißenden Wolf. Schließlich folgt er dem "Ruf der Wildnis"...
Die Geschichte erschien 1903, alternativ auch unter dem Titel "Wenn die Natur ruft". London hat seine wirklich berauschenden Werke erst später geschrieben. Der "Ruf der Wildnis" ist in Schreibstil und Spannung noch nicht so ausgefeilt und packend wie etwa der "
Lockruf des Goldes", der "
Seewolf" oder die "
Insel Berande". Es liest sich eher wie ein Kinderbuch. Doch hier ist schon deutlich eine zentrale Idee in Londons Gesamtwerk ersichtlich, dass der Hund - respektive der Mensch - ein Produkt seiner Lebensumstände ist. Geht es um das nackte Überleben, so gilt nur noch das Recht des Stärkeren. Selbst der besterzogene Haushund wird dann zum Wolf oder er geht jämmerlich unter. "Töten oder getötet werden hieß es, alles andere galt als Feigheit. Und diesem Naturgesetze lange vergangener Tage gehorchte er". Auf den Menschen übertragen findet sich diese Idee am intensivsten im "Seewolf", der im folgenden Jahr erschien.
London hat später übrigens mit dem bekannteren "
Wolfsblut" eine umgedrehte Handlung zum "Ruf der Wildnis" geschrieben. Hier sucht ein Wolf die Nähe der Menschen und wird zahm, weil er die Stärke spürt, mit der sie über die Natur herrschen.