Lili Campbell ist die uneheliche Tochter einer Köchin. Unterstützt durch die netten Arbeitgeber Ihrer Frau Mutter hat sie es zur Lehrerin gebracht und unterrichtet nun an einem Mädcheninternat. Vom Vater ihrer Lieblingsschülerin, in dem sie sich beim ersten Treffen verknallt, bekommt sie einen Heiratsantrag und beschließt ihn nach einigem Hin und Her anzunehmen und Niall in die Highlands zu folgen, wo er sie seiner Familie vorstellt. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Die zwei größten Familienhobbys: Sätze nicht zu Ende zu sprechen und Lili mit Nialls verstorbener Ehefrau Caitlin zu vergleichen. Das kann ja nix werden ...
Ich bin nicht gerade die anspruchsvollste Leserin. Doch ein bisschen Anspruch habe ich schon noch und was mir die Autorin Amy Cameron hier auftischte war mir dann zu viel. In der Geschichte werden einige Klischees verarbeitet, aber damit kann ich eigentlich leben. Weniger gut finde ich hingegen schon die extrem plumpe und oberflächliche Charakterisierung des Personals. Man riecht Meilen gegen den Wind wer nun ein Unsympath (Mathelehrer, Shona, Craig etc.) ist oder welche Person der Leser bitteschön ganz dolle lieb haben soll (Mhairie, Dusten). Und wer nun den Stempel Unsympath trägt, der darf natürlich keine nette Eigenschaft haben. Lili, die Hauptperson, war dann auch keine Person mit der ich mich gut identifizieren konnte. Eigentlich ist sie nur ein unsicheres, dummes und naives Schäfchen. Sympathie konnte ich nicht empfinden, höchstens noch Beileid.
Nun gut, wäre es dabei geblieben hätte ich das Buch womöglich noch mit neutralen 3 Sternen bewertet. Doch leider ist das Buch zudem zwar flüssig zu lesen, aber sprachlich nicht sonderlich gut. Da es Originalsprache ist kann man das noch nicht einmal einer Übersetzung anlasten. Die Autorin überdramatisiert wo sie nur kann. Häme ist nicht nur Häme sondern "unverhohlene Häme". Hass ist direkt "purer Hass". In den Augen blitzen regelmäßig Emotionen und gerne und häufig lässt Frau Cameron Personen "zischen". Anscheinend ist Niall mit Schlangen verwandt. Muss wohl in der Familie liegen ... (Und das sind nur Beispiele die mir auf Anhieb einfielen!)
Selbst das hätte ich noch herunterschlucken können. Ich hätte das Buch zu Ende gelesen und ihm schlußendlich 2 Sterne verpasst. Aber die Autorin versetzt sich selbst den Todesstoß indem sie ständig davon schreibt, dass die liebe Lili beim vielen Nachdenken sich gut zuredet, sich gut zuspricht, gegen irgendetwas anredet oder anspricht. Alle paar Seiten kommt eine dieser sprachlich nicht gerade sehr feinen Formulierungen vor. So z. B. auf Seite 201 "Je weniger ich weiß, desto besser, redete sie [Lili] sich gut zu."
Irgendwann hatte ich davon die Nase so gestrichen voll das ich das Buch sofort zugeklappt habe. Ich werde es nicht mehr anfassen.
Mein Fazit: Amy Cameron hat zwar einen schönen Namen aber schön schreiben kann sie absolut nicht. Ich habe das Buch auf Seite 280 von 480 abgebrochen und habe überhaupt keine Lust noch einmal über die Formulierung zu stolpern wie sich das dumme Schaf von Hauptperson gut zuredet. Dafür kann es nur einen Stern geben.