Aus heutiger Perspektive stellt sich die Geschichte des deutschen Nachkriegsfilms gerne so dar, als habe es erst mit dem Autorenkino der späten Sechziger so etwas wie eine filmische Auseinandersetzung mit bundesrepublikanischer Realität gegeben - aber diese Sichtweise ist falsch. Direkt nach dem Untergang des Nazi-Reiches entstanden einige hochinteressante Werke, die exakt diese Wirklichkeit sehr genau sezierten. Fritz Kortners "Ruf" gehört dazu. Er behandelt das Schicksal von Emigranten, die Restauration und die unterschwellig weiter existierende braune Pest an Deutschlands Universitäten anhand eines - zugegebenermaßen etwas pathetisch erzählten - Einzelschicksals, nämlich dem eines Flüchtlings, der aus den USA nach Deutschland zurück gerufen wird, um dort eine Professur anzutreten. Um diese Figur sind die verschiedenen "Modelle" des Umgangs mit Nazismus und Wiederaufbau gruppiert: Emigranten, die dringend von der Rückkehr abraten, amerikanische Studenten, die mit Forscherblick auf das neu entstehende Deutschland schauen, alte und junge Nazis kontra Demokratie-willigen etc. Dringend zu empfehlen!