Die Rezension von Ulrich Hartmann kann ich Wort für Wort unterschreiben.Einer der bedeutsamsten Filme, die ich je gesehen habe, herzzerreißend - und dabei psychologisch fundiert in allen affektiven Szenen. Eine der wenigen Möglichkeiten, Kortners Schauspielkunst noch zu sehen, seine vielschichtige Intensität. Auch eine wichtige Ergänzung für jeden, der/die Kortners Autobiografien gelesen hat. - Manchmal mußte ich an Theodor W.Adorno denken und dessen Situation nach 1945 (Exil/dort akademisch anerkannt/der Ruf nach Frankfurt/die Entscheidung - gegenüber dem Unverständnis vieler Exildeutscher/die Ambivalenz in Deutschland selbst). Beide haben einander gekannt und geschätzt, Adorno hat Kortner offensichtlich verehrt, und Kortner hat Adorno zitiert..
In den posthum veröffentlichten autobiografischen Aufzeichnungen 'Letzten Endes' schreibt Kortner über den Film (dessen Drehbuch er als jüdischer Emigrant und nunmehriger US-Bürger geschrieben hatte):
"Mein Film wurde nur in drei bis vier Städten gezeigt, ansonsten abgedrosselt. Das geschah, obwohl Produktion, amerikanische Filmstelle und ich streng darauf achteten, daß darin Behauptetes durch Aktenmaterial belegt werden konnte. In jenem Film, 'Ruf' hieß er, wurde behauptet und dargestellt, daß unter der nachhitlerischen Studentenschaft die antijüdischen Überzeugungen noch immer höchst viril wären. Der Film wollte aufklären, berichtigen, um Verständnis werben, war er ja von einem geschrieben worden, der kurz vorher unter der Anklage gestanden hatte, mit den Deutschen zu fraternisieren. Er wurde mißverstanden, soweit er überhaupt gesehen werden konnte. Der überwiegend große Teil des Filmpublikums hatte zwar keine Gelegenheit, ihn zu beurteilen, hielt sich jedoch an die verhetzenden Gerüchte über den 'Ruf' und verurteilte ihn." (München 1971, Seite 28/9)