Muschg inszeniert ein Spiel mit Interferenzen und Anachronismen, das vielleicht demjenigen Leser verständlicher und unterhaltsamer ist, der den mittelhochdeutschen Parzival des Wolfram von Eschenbach kennt. So werden alle bei Wolfram negativen Figuren "umgedreht" und in moderne Charaktere verwandelt: der böse Zauberer Klinschor, der jede Menge höfische Damen gefangen hält, ist bei Muschg der etwas unfreiwillige Patron einer alternativen Frauen-WG, deren Bewohnerinnen von ihren Gatten gar nicht unbedingt befreit werden wollen. Und Lähelin, bei Wolfram der große Widersacher im Hintergrund, von Parzival zwecks Zweikampf gesucht, weil er ihm sein Land geraubt hat, wird bei Muschg zum Initiator eines Wirtschaftswunders in eben diesem Land. Auch alle anderen Figuren bekommen, ohne daß die äußere Handlung verändert würde, eine (natürlich) psychologische Unterfütterung. Die scharfzüngige, tendenziell männermordende Orgeluse, deren Fießheiten schon bei Wolfram durch seelisches Leid motiviert sind, ist auch bei Muschg wieder eine der interessantesten Charaktere. Die Welt, in der all diese Charaktere ihr Wesen treiben, ist jedoch (auch wie bei Wolfram) weder geographisch noch historisch zu lokalisieren, sondern vor allem ein literarisches Gelände, auf dem geographische und historische Kategorien auch etwas anders funktionieren können, als man vermutet. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)