Der vorliegende Film des Regisseurs Nikolai Müllerschön zeigt den Kriegswahnsinn des 1. Weltkriegs und macht die Verblendung der damaligen jungen Menschen an dem Jagdflieger Manfred Freiherr von Richthofen, dem so genannten " roten Baron " (2.5.1892- 21.4.1918) deutlich.
Dieser wurde so bezeichnet, weil er sein Flugzeug rot lackiert hatte, um seinen Gegnern Angst einzujagen.Der Film beginnt mit Sequenzen, die in der Luft gedreht worden sind. Eine Vielzahl von Jagdfliegern sitzt in engen, mit roten Herzen, Totenköpfen und Eisernen Kreuzen bemalten Doppeldeckermaschinen - Flugzeuge ohne Verdeck- und hetzt einander hinterher. Dass diese Männer sich gegenseitig abschießen möchten, ist zunächst nicht klar ersichtlich.
Die ersten Minuten fällt es wirklich schwer, in dem, was man sieht, kriegerische Handlungen zu erkennen. Das was man wahrnimmt, erscheint beinahe wie ein Spiel. Die jungen Menschen lachen sich zu. Die ungestümen Loopings, die sie mit ihren Maschinen vollführen, um sich gegenseitig ihren Mut zu beweisen, wirken faszinierend. Ernst- Jünger- Fans würden das vermutlich als die Ästhetik des Krieges bezeichnen und mir ist zum ersten Mal klar geworden, dass es eine solche tatsächlich gibt.
Darf man solch ästhetische Krieghandlungen visualisieren oder ist dies per se moralisch verwerflich? Ich denke, es ist stets dann akzeptabel, wenn man die Bilder in einen Kontext stellt, der der Aufklärung dient. Das ist in diesem Film eindeutig der Fall.
Die Handlung beginnt 1916 in der Normandie.
Deutsche Jagdflieger werfen auf feindlichem Gebiet einen Kranz ab. Dieser ist für einen britischen Flieger bestimmt, der den Absturz mit seinem Flugzeug nicht überlebt hat. Die deutschen adeligen Kampfflieger kannten den jungen britischen Adeligen vom gemeinsamen Internatsbesuch. Sie begreifen ihn als Freund, der bei ihrem gemeinsamen waghalsigen Treiben einfach Pech hatte. Die jungen Flieger möchten sich nicht töten, sondern im Kampfflug gegnerische Maschinen abschießen. Der Tod eines feindlichen Kampffliegers wird billigend in Kauf genommen, aber er ist keineswegs das erklärte Ziel ihrer Handlung.
Von Richthofen(hervorragend gemimt von Matthias Schweighöfer), ein besonders mutiger und ehrgeiziger junger Mann, möchte der beste Kampfflieger werden und hat - als er schließlich 1918 abstürzt - achtzig feindliche Flugzeuge vom Himmel geholt. Schon zu Lebzeiten ist der rote Baron eine Legende.
Immer wieder macht Richthofen seinen Kameraden deutlich, dass das Ziel einer Kampfhandlung nicht das Töten von Menschen, sondern das Vernichten von Material sein soll. Bald wird klar, dass er und die anderen jungen Flieger im Grunde den Flächenbrand, den sie mitverursacht haben, zunächst überhaupt nicht realisieren.
Seine kriegerischen Erfolge erklärt von Richthofen sich damit, dass er immer nur dann kämpfe, wenn er sich vorab des Sieges sicher sei. Von Richthofens Diktion beinhaltet zunächst keineswegs das Grauen des Krieges. Es existiert in seinem Denken zunächst nicht. Die Werte, die er und andere adlige Männer von Kindesbeinen an beigebracht bekamen, sind nach unseren heutigen Vorstellungen inhuman. Diese zynischen Werte zu überwinden, erfordert Erkenntnisfähigkeit und die Bereitschaft sich dem allgemeinem Denken zu widersetzen als auch ungehorsam gegenüber der Vätergeneration zu sein. Kein leichtes Unterfangen in den damals autoritären Zeiten. Nur wenige junge Männer schafften das.
Von Richthofens Vater hatte ihm und seinen beiden Brüdern in den Kopf geklopft, dass ein Offizier niemals trauert, noch nicht einmal um einen gefallenen Freund, offenbar weil der Tod als zwangsläufige Folge des Krieges begriffen wurde und dieser als natürliches Mittel um Konflikte zu lösen.
Man erlebt die jungen, deutschen Jagdflieger, zunächst abgeschirmt von den furchtbaren kriegerischen Auseinandersetzungen auf den Schlachtfeldern der Westfront, die von Remarque hervorragend beschrieben wurden, in einer Scheinwelt, ist beeindruckt von ihrem kameradschaftlichen Miteinander und ihrem beinahe ritterlichen Ehrenkodex, auch den Feinden gegenüber. Von Richthofen erhält die höchst militärische Auszeichnung "Pour la Merite" und wird der erste Pilot des Kaiserreichs.
Er lernt die schöne, sehr nachdenkliche Käte (Lena Headey), eine belgische Krankenschwester kennen, in die er sich verliebt und die ihm nach einem Absturz und einer Kopfverletzung, die Augen für das öffnet, was Krieg eigentlich bedeutet. Sie geht mit ihm durch die Lazarette und zeigt ihm das Elend, spricht von den vielen Toten, den jungen Männern, den Erblindeten und den vielen Amputierten.
Von Richthofen erkennt, dass die Duelle im Himmel nicht mit Tennismatches zu vergleichen sind, wie er sich die zunächst vorgestellt hatte.
Die Krieghandlungen in der Luft nehmen im Laufe der Films an Grausamkeit zu. Immer mehr junge Männer, auch seine besten Freunde, werden getötet. Mittlerweile werden Bomben aus den Flugzeugen auf die Schlachtfelder geworfen, wo die einfachen Soldaten unter großen Qualen sterben müssen.
Der deutsche Kaiser versucht von Richthofen - die Niederlage wird immer gewisser- für seine Zwecke einzusetzen. Er möchte, dass er nicht mehr fliegt. Von Richthofen soll den kampfmüden Soldaten als unsterblicher Held vorgeführt werden.
Der rote Baron tut, was ihm zu tun bleibt, er fliegt weiter, weil er darin die einzige Chance sieht, seinen Kameraden auf den Schlachtfeldern zu helfen, wissend dass es sein eigenes Ende bedeutet.
Für mich stellt sich nicht die Frage, ob von Richthofen ein Held war. Ich anerkenne seinen unglaublichen Mut, besonders zu Ende des Krieges, wo ihm die Absurdität des Krieges bewusst wurde, sich immer wieder in diese Höllenfahrten zu begeben, um seine Kameraden zu schützen.
Eine Bande verantwortungsloser, alter Männer verheizte die nächste Generation aufgrund höchst eigennütziger, politisch aberwitziger Motive.
Das wird in diesem Film deutlich, der alles andere als kriegsverherrlichend ist.
Die Schauspieler spielen ihre Rollen exzellent. Die Dialoge sind erhellend. Die Musik unterstreicht die Begebenheiten in der Luft, ohne eine Wagner`sche Heldenoper daraus zu machen.
Die Ton- und Bildqualität sind bestens.
Sehr empfehlenswert.