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Der Robin Hood von San Fernando: Vicor Vital und die Slum Kids in Buenos Aires
 
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Der Robin Hood von San Fernando: Vicor Vital und die Slum Kids in Buenos Aires [Broschiert]

Cristian Alarcon
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Pressestimmen

»Den Reiz des Buches macht aus, dass es ein Grenzgänger zwischen den Genres ist - zugleich gut recherchierte Reportage und literarisches Gesellschaftsportrait.« (Das Parlament, Berlin)

»Alarcón gelingt es trotz seiner Nähe zu seinen Studienobjekten die Fallen der Idealisierung, der Sentimentalitäten zu vermeiden. Facettenreich setzt sich ein Bild der kriminellen Jugendlichen zusammen.« (LiteraturNachrichten, Frankfurt/Main)

»Eine literarische Reportage, die tiefe Einblicke in die uns unbekannte gesellschaftliche Ordnung in den Slums gibt.« (Christina Schröder, Südwind, Wien)

Kurzbeschreibung

Die preisgekrönte Reportage von Cristian Alarcón gibt einen tiefen Einblick in das Leben von Kindern und Jugendlichen in den Armenvorstädten von Buenos Aires. Auf dem Friedhof von San Fernando, einem der Armenvororte von Buenos Aires, sticht heute ein Grab besonders hervor. Es fällt auf wegen der Opfergaben. Gruppen von Kids in exklusiver Sportbekleidung und mit galaktischen Turnschuhen treffen sich, um mit dem Toten ihr Marihuana und ein Bier zu teilen. Sie bringen dieses Opfer dar, um seinen Schutz zu erflehen. Víctor Manuel Vital, genannt »El Frente«, war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Er war seit Jahren zusammen mit anderen »pibes chorros«, den klauenden Kids, erfolgreich auf Raubzug in den Stadtteilen der Bessergestellten. Die Beute verteilte er wie einst Robin Hood großenteils an die Bedürftigsten. Er wurde, 17-jährig, 1999 von der Polizei erschossen. San Fernando ist jener Abschnitt des Vorortgürtels von Buenos Aires, der fast unmittelbar an ein wohlhabendes Viertel angrenzt: »Es ist der Teil des Landes«, schreibt Alarcón, »wo die Kluft zwischen Arm und Reich abgrundtief ist. Das fremde Hab und Gut scheint greifbar zu sein, und so entsteht die verfluchte Nähe zwischen Hunger und Überfluss.« Alarcóns Recherchen über den Tod von El Frente entführen uns in eine urbane Welt, von der wir gewöhnlich nur schemenhafte Vorstellungen haben, eine der Parallelwelten, die ein Eigenleben abseits von Politik, Medien und Institutionen führen, die ihre eigenen Regeln und Gesetze kreieren, ihre eigene Kultur und ihre eigene Solidarität leben. Eine harte Welt des Elends und der Gewalt, die aber auch ganz andere Seiten hat …

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Format:Broschiert
Victor Manuel Vital, genannt El Frente, siebzehn Jahre alt und kriminell, war von einem Beamten der Polizei von Buenos Aires erschossen worden, als er sich in einer Hütte unter den Tisch geflüchtet hatte und schrie, man solle nicht schiessen, er werde sich ergeben.

Schon als Dreizehnjähriger hatte er zusammen mit anderen pibes chorros, klauenden Kids, bewaffnete Überfälle verübt und war in der Siedlung schnell berühmt geworden wegen seiner Verwegenheit, vor allem aber wegen seiner Ganovenehre und weil er ' wie einst Robin Hood ' seine Beute an die Bedürftigen verteilte. So erhielt etwa sein Raubzug auf den Lastwagen eines Grossverteilers von Milchprodukten Kultstatus, versorgte El Frente doch die ganze Siedlung bis hin in die Gefängnisse mit feinsten Käsesorten, Sauermilch und Sachen, welche die Kinder nie haben konnten. Denn er war überzeugt, dass Kinder Joghurt essen sollten.

Nach seinem gewaltsamen Tod verfestigte sich der Mythos um seine Person. An seinem Grab versammeln sich Gruppen von Kids in exklusiver Sportbekleidung und galaktischen Turnschuhen, um mit El Frente einen Joint zu rauchen und ihm Opfergaben zu bringen, glauben sie doch fest, dass El Frentes Geist sie vor den Kugeln ihrer Feinde beschützt.

Aus dem Stoff hätte der argentinische Journalist Cristian Alarcón eine simple Robin Hood-Geschichte verfassen können; er hätte, wie er selber sagt, einfach klassischen Enthüllungsjournalismus betreiben und die korrupten Polizeischwadronen an den Pranger stellen können. Stattdessen liess er sich in zweijähriger Recherchierarbeit auf die vielschichtigen Realitäten dieser Armensiedlungen im Vorortgürtel von Buenos Aires ein, die unmittelbar an ein wohlhabendes Viertel angrenzen ' die verfluchte Nachbarschaft von Hunger und Überfluss, wo fremdes Hab und Gut zum Greifen nahe scheint, aber auch Leben und Sterben nahe beieinander liegen und Zwanzigjährige schon als Veteranen gelten.

Mit viel Geduld gelang es ihm, ein Stück weit das Vertrauen von Vitals Freunden und Familie zu gewinnen, an ihrem Alltag teilzuhaben, ihre Erinnerungen an El Frente und ihre eigenen Geschichten zu erfahren. Entstanden ist eine literarische Reportage voller Respekt für die Menschen, die zugleich begreifbar macht, weshalb El Frente zum Mythos wurde. Denn sein Ehrenkodex, seine eigentümliche Ordnung, Frauen und Kinder im Viertel zu verteidigen, ihnen Schutz vor Verrätern und brutaler Polizeigewalt zu bieten, ist mit der Wirtschaftsentwicklung Argentiniens, welche die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter aufriss, rasant verlorengegangen. Am Ende seiner zweijährigen Recherchen sieht Alarcón die nachfolgende Generation der Kids vollgestopft mit Pillen oder Klebstoff für ihre nächste Dosis wahllos Händler, Mütter und andere Kids des Viertels überfallen.

Für sein Buch mit dem schönen Originaltitel "Cuande me muera quiero que me toquen Cumbia" - "Wenn ich sterbe, spielt eine Cumbia" ' wurde Cristian Alarcón 2005 mit dem Samuel-Chavkin-Preis für integren Journalismus ausgezeichnet.
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