Ich denke es ist nicht ohne, einen Roman zu schreiben über eine reale historische Persönlichkeit als Hauptperson, es ist eine Gratwanderung zwischen Treue zu den bekannten Fakten und dem Ausschmücken der weißen Flecke und kleinen Details, welches sorgsam und verantwortungsbewußt geschehen muß... Und das ist der Verdienst Elizabeth Chadwicks, der sie von den meisten anderen Schreiber(inne)n, auch guten, abhebt. (Zwischen ihr und den schlechten, die es ja bekanntlich gibt wie Sand am Meer, liegen Welten). Außerderm muß man es erst einmal fertigbringen, daß die Geschichte eines Mannes, der eigentlich zu ehrenhaft und gut ist um wahr zu sein, im Gegenzug beim Leser keine fade Langeweile verbreitet. Mrs. Chadwick hat es geschafft, daß in meiner Antwortliste auf die berühmte Frage: 'welche historische Persönlichkeit würden Sie gern einmal treffen?' William Marshal ganz weit oben stehen würde. Ich gebe dem Buch 5 Sterne, weil ich es mit großem Vergnügen gelesen habe, wenn auch im Original. Die Übersetzung ist recht gelungen, bis auf ein paar kleine Schwächen, vor allem was 'horselore', also reiterliche und pferdetechnische Dinge betrifft. Im übrigen kommt auch die 'romantische Seite' der Leserin nicht zu kurz, ohne daß das Buch je in der Gefahr schwebt, zur Seifenoper zu werden. Der Folgeband 'Der scharlachrote Löwe' (erscheint 2009 auf deutsch), über die zweite Lebenshälfte William Marshals ist fast noch einen Tick besser, und auch das (später geschriebene Prequel) über seinen Vater John (A Place beyond Courage) ist nur wärmstens zu empfehlen und wird hoffentlich auch noch auf Deutsch erscheinen. Einen Kritikpunkt habe ich allerdings, ohne daß ich dafür die Bewertung runternehmen will. Das süßliche Cover der deutschen Ausgabe (wie auch in geringerem Maße der deutsche Titel) bereitet mir geradezu Zahnschmerzen, denn es wird der Geschichte und der Person William Marshals nicht gerecht, wieso zum Henker konnte man nicht das sehr schöne des Originals einfach übernehmen?!