Es scheint ja irgendwie nur ein ehe marginales Problem zu sein, das in diesem Buch behandelt wird. Die Tragödien in Columbine, Helsinki, Erfurt, ... rütteln einen kurz auf, dominieren kurz die Medien und verschwinden dann aber wieder in der Versenkung. - Dabei stellt sich die Problematik für mich als Lehrer und Pädagogen etwas anders dar. Statistisch betrachtet ist es natürlich sehr unwahrscheinlich, dass es die eigene Schule / den eigenen Arbeitsplatz treffen wird, aber wenn doch ... ? Eine Fehleinschätzung in diesem Bereich, das Übersehen einer aktuellen Bedrohung und das Ignorieren von unscheinbaren Schülern, die, da nicht renitent, auch nicht auffällig sind, so lange, bis sie dann "überkochen" ist eine Herausforderung für den pädagogischen Alltag, die auch in der vermeintlich "besser gestellten" gymnasialen Oberstufe präsent ist. Umgekehrt ist es gerade bei diesem Thema schwierig, sich ihm mit den klassischen Herangehensweisen zu nähern.Und, Hand auf's Herz, es ist ein Thema, das man im Schulalltag doch zu gerne verdrängt, stehen doch neben den Klausuren und der Unterrichtsvorbereitung noch viele andere, oft auch angenehmere Dinge auf der Tagesordnung.
Das Buch von Robertz / Wickenhäuser ermöglich einen guten und in meinen Augen auch sehr fundierten Einstieg in die Problematik. Die etwas rudimentäre Beschreibung des Verlags müsste noch dahingehend ergänzt werden, dass es nicht nur die beiden Hauptautoren sind, die ihre Expertise in das Buch eingebracht haben, sondern noch einige weitere Experten, die sich in ihrem Spezialgebiet zu Wort melden. Relevant und wichtig wird das Buch vor allem deshalb, da es sich hier nicht um Aufmerksamkeit heischende Journalisten oder Schriftsteller handelt, die in irgendeiner, mal gelungen, mal vollkommen überflüssigen Form versuchen, das Thema und Ereignis zu reflektieren, sondern es sind in erster Linie Praktiker, die schreiben und aus ihrer Praxis berichten. So bietet das Buch auch Einblicke in die Lebenswelt der Jugendlichen, die oftmals, da es sich zunächst um marginale Subkulturen (Stichwort: Gothic) handelt, vollständig übersehen werden.
Die Autoren streben, in meinen Augen erfolgreich, an, möglichst konkrete Hilfestellung für die Arbeit in Schulen zu geben und geben Hinweis für eine Früherkennung (i.e. der Unterscheidung zwischen ernst zu nehmenden Drohungen und weniger bedrohlichen) sowie Anleitungen für eine angemessene Intervention. - Das Buch ersetzt sicher keine Schulung / Fortbildung zu dem Thema, dafür stehen leider zu oft keine Gelder und Ressourcen zur Verfügung, aber es bietet einen in meinen Augen fundierten und die Thematik souverän aus vielen Blickwinkeln beleuchtenden Einstieg in die Problematik und das doch irgendwie nie ganz zu begreifende Phänomen.