Selten war ich beim Erstellen einer Rezension so gespalten, wie bei dieser Produktion aus dem Hause Titania:
Zur Handlung:
John Vansittart Smith wird bei einem Museumsbesuch in Paris mit erstaunlichen Begebenheiten konfrontiert. Ein ungewöhnlicher Museumswächter erregt seine Aufmerksamkeit, bald schon findet er heraus, welche besondere Bewandnis hinter seinem ungewöhnlichen Aussehen steckt...
Die Geschichte selbst gefällt mir außerordentlich gut. Das Thema Jugend / Langlebigkeit wird hier von seiner Schattenseite gezeigt. Dies finde ich äußerst stimmig, leben wir doch mehr denn je in einer Zeit, in der ein exzessiver Jugendwahn nach und nach über den großen Teich zu uns herüber drängt. So wohnt der Handlung eine durchaus gesellschaftskritische Komponente inne. Leider kommt innerhalb des Verlaufes dieser Vertonung nicht wirklich ein Gruselgefühl auf, weshalb sich mir die Frage stellt, warum dieses Hörspiel in das Gruselkabinett aufgenommen wurde? Vielmehr handelt es sich hier um die tragische Darstellung einer Lebensgeschichte. Diese Kritik muss natürlich relativiert werden. Man darf nicht vergessen, dass Titania diese Reihe unter dem Titel "Meisterwerke der Schauer-Romantik als atmosphärische Hörspiele" vertreibt. Die Schauer-Romantik (manchmal auch Schwarze Romantik genannt) kam mit dem Ende des 18.Jhs. auf. Dass man damals den sogenannten Gruselfaktor noch anders definiert hat, als dies in einer Zeit der Fall ist, in der wir durch den Einfluss der Massenmedien "abgebrühter" sind, muss klar sein. Die SAW-Generation wird von den schauerlichen Elementen des Gruselkabinetts sicher eher enttäuscht sein. Dass ein Lovecraft zu Beginn des 20. Jhs. Grusel anders definiert und zum Ausdruck gebracht hat, als ein Ludwig Tieck (Ende 18. Jh.) erscheint unter diesen Gesichtspunkten logisch, ändert aber dennoch nichts daran, dass ich diese Vertonung viel eher in eine andere Reihe eingebettet hätte. "Der Ring des Thot" enthält durchaus auch Elemente, die man dem Genre Kriminalliteratur zuordnen könnte (ACHTUNG SPOILER: etwa das nächtliche Eindringen in ein Museum sowie die zunächst rätselhafte Beschädigung von Artefakten). Unter diesen Gesichtspunkten, wäre diese Produktion vielleicht besser bei den Krimi Klassikern von Titania Medien aufgehoben, bei denen sich bereits andere Vertonungen von Conan Doyle befinden? Auch eine Zuordnung zur phantastischen Literatur wäre denkbar und -aus meiner Sicht- sicher passender, als konkret die Gothic Novel.
Bezüglich der Produktion selbst muss ich sagen, dass mir der Erzähler am Beginn der Geschichte einfach zu viel Raum einnimmt. Er tritt im Zuge des Verlaufes zwar mehr und mehr in den Hintergrund, die ersten 15 Minuten erscheint er mir aber zu sehr präsent zu sein. Dies ist ein Charakeristikum von anderen Lables, dass dieser Umstand bei Titania bisher nicht vorkam, fand ich immer äußerst positiv. Dennoch sind die SprecherInnen üblich professionell und können die Charaktere gekonnt zum Leben erwecken.
Fazit: Folge 61 ist ein interessantes Hörspiel, das ich für qualitativ hochwertig halte. Grusel oder gar Horror darf man sich aber nicht erwarten. Trotz meiner Genre-Zuordnungs-Problematik hat mir dieses Hörspiel sehr gut gefallen, daher vergebe ich 4 Sterne! Bleibt dennoch zu hoffen, dass sich derart ungruselige Themen nicht noch öfter in das Gruselkabinett einschleichen!