Zugegeben, das Zitat gehört eigentlich in eine andere Wagner-Oper, passt aber gut zu diesem zwischen 1980 und 1983 entstandenen Ring des Nibelungen: Die Ost-West-Koproduktion war die erste Digitalaufnahme des Rings, ist aber heute etwas in Vergessenheit geraten. Dabei hat die Einspielung viele Vorteile:
Die Aufnahmetechnik wirkt natürlicher als bei Karajans Studio-Ring, die Sänger sind nicht ganz so stark in den Vordergrund gerückt. Die relativ trockene Akustik des Aufnahmeraums sorgt aber trotzdem für eine gute Durchhörbarkeit, die den Sängern Gelegenheit gibt, entspannt auszusingen - statt sie wie in vielen Live-Produktionen oder auch dem Levine-Ring zu zwingen, sich mit Kraft gegen das Orchester durchsetzen zu müssen.
Dazu erweist sich Marek Janowski als sensibler Wagner-Dirigent, der die Sänger mit flotten, aber nicht überhetzten Tempi und vor allem einer maßvollen Dynamik unterstützt, statt sie zuzudecken. Ein Kapellmeister im besten Sinne, der das Werk und die Sänger, nicht sich selbst in den Vordergrund stellt.
Dazu sind unter den Sängern einige der besten Interpreten ihrer Rollen auf Tonträger:
Mozart-Tenor Peter Schreier ist ein überragender Loge - hinterhältig, zynisch wie kaum ein anderer, aber endlich einmal mit rein musikalischen Mitteln. Noch meehr als sonst steht dieser Loge im Zentrum des Rheingolds. Fast noch beeindruckender ist sein Mime - er schafft es, Sympathie für diese schwierige Figur zu erzeugen.
Matti Salminens Fafner und Hagen können sich mit den besten Konkurrenten mehr als nur messen.
Der erste Akt der Walküre ist wahrscheinlich nie so durchgehend schön gesungen worden wir hier: Der junge Siegfried Jerusalem in Topform ist ein hinreißender Siegmund, Jessye Norman eine unglaublich warmherzige Sieglinde, Kurt Moll ein hinreichend grimmiger, fast majestätischer Hunding.
Yvonne Minton ist eine exaltierte, trotzdem nicht keifende Fricka, Siegmund Nimsgern ein grimmiger Alberich, der dem großen Gustav Neidlinger nicht nachsteht. Die Nebenrollen sind teilweise sehr prominent (Lucia Popp, Cheryl Studer), durchgehend aber ausgezeichnet besetzt.
Damit bleiben noch drei Hauptdarsteller - Wotan, Siegfried, Brünnhilde -, deren Darstellung in dieser Aufnahme häufig kritisiert wird. Ich kann mit ihnen gut leben:
René Kollo war sicher kein Lauritz Melchior. Der Siegfried war für ihn eine Grenzpartie, die er sich mit gepressten Spitzentönen erkämpfen musste. Seine Stimme hat Durchschlagskraft, aber wenig Wärme. Aber mal ehrlich - wieviele Siegfriede waren auf Tonträger besser als er? Der junge Windgassen (nicht unbedingt im Solti-Ring) klang jugendlich frischer, aber sonst? Goldberg? Jung? Zum Zeitpunkt dieser Aufnahmen war Kollo auf jeden Fall konkurrenzlos, präsentiert sich hier auch in guter Form und ist ein intelligenter Interpret.
Bei Jeannine Altmeyers Brünnhilde kann man den amerikanischen Akzent kritisieren. musikalisch überzeugt sie mich: Eine ausgeglichene Stimme mit einer leichten, aber nicht unangenehmen Schärfe in den Spitzentönen, gutem Legato und weichem piano. Eine junge, sehr menschliche Brünnhilde.
Theo Adam schließlich hört man 20 Jahre Wagner-Erfahrung sowohl positiv als auch negativ an - ein sehr erfahrener, majestätischer Wotan, der den Text sehr intelligent ausdeutet und der zumindest im Studio sein berüchtigtes Tremolo bei hoher Belastung ganz gut im Griff hat. Besser als der überalterte Hans Hotter im
Solti-Ring ist er allemal. Er selbst war unter
Böhm (Bayreuth 1966) besser, Hotter in den älteren Bayreuther Mitschnitten (mein Favorit:
Keilberth (1955))auch.
Insgesamt also ein erfreulicher Ring, der nicht nur zu diesem Preis sein Geld wert ist.