Istanbul 1946: Der damals junge schweizer Polizist Hans Bärlach geht mit seinem damaligen Freund Richard Gastmann eine fatale Wette über ein perfektes Verbrechen ein.
Gastmann behauptete, dass er dieses Verbrechen in Anwesenheit von Bärlach begehen könne, ohne dass dieser ihm den Mord nachweisen könne.
Tatsächlich stürzt Gastmann die junge Nadine (Rita Calderoni), für die beide Männer schwämen, von der Brücke ins Wasser. Die junge Frau ertrinkt, weil sie nicht schwimmen kann.
30 Jahre sind beinahe vergangen, Gastmann (Robert Shaw) behielt Recht und aus ihm wurde ein Verbrecher, aus Bärlach (Martin Ritt) ein versierter Kriminalkommissar in Bern.
Sein bester Mitarbeiter, Ulrich Schmied (Donald Sutherland spielt die Leiche), wird auf einer Landstrasse von Twann nach Lamboing erschossen aufgefunden. Bärlach leitet zwar die Ermittlungen, aber seine schwere Krankheit, die wohl zum Tod führt, hindert ihn an einem vollen Einsatz in diesem Fall. Daher überträgt er den Hauptpart dem jungen, extrem ehrgeizigen Assistenten Walter Tschanz (Jon Voight).
Tatsächlich finden die beiden Krimialbeamten sehr schnell heraus, dass Ulrich Schmied bei dem inzwischen schwerreichen Gastmann ermittelte.
Doch Gastmann hat in höchsten Kreisen politische Gönner und auch Schmieds Verlobte Anna Crawley (Jacqueline Bisset) spielt eine dubiose Rolle in dem verzwickten Fall, denn sie scheint bei Gastmann ein und aus zu gehen.
Bei der Beerdigung von Schmied geschieht ein sonderbarer Vorfall mit einem vertauschten Kranz. Danach steigt Anna mit Walter Tschanz ins Bett...
Der Film von Maximilian Schell entstand 1975 nach dem gleichnamigen Roman von Friedrich Dürrenmatt, der sogar am Projekt mitarbeitete und gemeinsam mit Schell das leicht veränderte Drehbuch verfasste.
1978 hatte der Film auch im Kino Premiere und schaffte es sowohl ein Filmband in Gold (bester Schnitt) als auch in Silber (bester Film) zu erringen.
Für die Filmmusik zeichnet Ennio Morricone, was man sofort erkennt.
Auch Schauspielgrößen wie Lil Dagover oder Helmut Qualtinger sind in Nebenrollen zu sehen.
Dabei ist der Film durch die vorzügliche Vorlage natürlich sehr interessant und spannend. Auch die Schauspieler, allen voran der Hollywood-Regisseur Martin Ritt und Robert Shaw als Kontrahenten, agieren klasse.
Dabei spielt die Geschichte geschickt mit seinem doppelten Boden, man erahnt zwar etwas, aber erst am Ende fügt sich das letzte Puzzleteil logisch ins Gesamtbild.
Schön, dass diese etwas in Vergessenheit geratene Romanverfilmung nun auf DVD veröffentlicht wurde. "Der Richter und sein Henker" ist für ein typisches gutes Beispiel für die hohen Thrillerqualitäten der 70er Jahre. Hier stehen noch die gute und komplexe Geschichte und die differenziert gezeichneten Figuren im Mittelpunkt.