Ein Blick in den reichhaltigen Journalistenfundus des mich immer überzeugenden Ulrich Wickert und schwupps, ist ein guter Plot gefunden, den der Autor gekonnt aufpeppt zu einem wirklich guten Krimi.
Bei Wickert als Fan der Seine-Metropole ist es nicht verwunderlich, dass er Protagonist und Untersuchungsrichter Jacques Ricou hinter die Kulissen Frankreichs blicken und manch schamhaft verschwiegenes Geschehen gnadenlos aufdecken lässt. Und, es scheint, dass der Autor auch eine gewisse Vorliebe für die französischen Gebiete, weit weg vom Mutterland, hier die französische Antilleninsel Martinique, hat. Offenbar nicht nur für das landschaftliche Flair, sondern auch für die dortige Damenwelt, insbesondere in Person der geheimnisvollen Kreolin Amadée.
Ansonsten geht es um mit Schmiergeldern gefüllte Parteienkassen, wohl ausgehandelte, regelmäßige Gnadenerlässe für allerlei Straftaten, mit denen sich insbesondere auch Politiker selbst beschenken und die Verstrickungen Frankreichs im Indochinakrieg, wo die sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckerten. Ricous Neugierde und Aufklärungszwang ist sprichwörtlich, und nichts hält ihn von seiner Arbeit ab.
Mit aufbereiteten Fakten geht Wickert großzügig um, und der schnell gebannte Leser erfährt Dinge hinsichtlich politischer Machenschaften, die ihm den Atem stocken lassen. Manch einer wird darüber nachdenken, wie das wohl in Deutschland gehandhabt wird.
Der anfänglich vielleicht etwas zäh daherkommende Plot gewinnt bald an Fahrt und wird mit einem furiosen Finale abgeschlossen. Es gibt nicht viele Journalisten, die gute Krimis schreiben können. Ulrich Wickert gehört zweifelsohne dazu. Bravo. Leseempfehlung von mir. HMcM