Gogols Revisor, entstanden 1835, 1836 uraufgeführt und erstveröffentlicht, gehört noch immer zu den meistgespielten Stücken auf den Spielplänen auch deutscher Bühnen. Tatsächlich läßt sich mit diesem Stück auch heute "etwas anfangen". Es stammt aus einer relativ komödienarmen Zeit, in der etwa das deutsche Lustspiel von den in der Qualität eher zweifelhaften Machwerken eines August Kotzebue dominiert wurde. Dessen bekannteste Komödie, Die Deutschen Kleinstädter, stand übrigens auch für Gogols Revisor u.a. Pate. Trotz solcher deutlich erkennbarer Einflüsse ist Gogols Stück aber v.a. innovativ. Er verbindet erstmals und in dieser Form einmalig die satirische Beamtenkomödie mit einer Form der Verwechslungskomödie, die sich auf Molière zurückverfolgen läßt. Dabei verzichtet er - ein Novum - auf die Identifikationsfigur eines poisitiven Helden, die konventionelle Liebesintrige und den sich daraus ergebenden positiven Abschluß. Stattdessen wird den durch die Bank korrupten Beamten einer russischen Kleinstadt als Gegenspieler ein Luftikus und Windbeutel gegenübergestellt, ein Typ, der in den Tag hineinlebt und nichts anderes genießt als sich - in aller Unschuld - in Szene zu setzen und zu fabulieren... (Eine Gestalt, deren Analyse schon Aufsätze gefüllt hat.) Dieser Chlestakov wird von den Beamten für den angstvoll erwarteten Revisor gehalten, einen incognito reisenden Vorgesetzten, der die Stadtverwaltung überprüfen soll. Aus diesem Stoff machte gogol seine Komödie, die "lustiger" sein sollte "als der Teufel selbst", ohne es dabei an Ernst ganz vermissen zu lassen. Gleichzeitig zeigt das Stück Mißstände auf, gibt das Portrait eines unvergessenen literarischen Charakters, parodiert die klassisch gewordene Liebesintrige in einer Nebenhandlung und führt so die Gattung heraus aus der harmlosen Privatheit ohne zu reiner Satire zu werden. Ein Meilenstein. Und dabei höchst amüsante Lektüre, in dieser Ausgabe zusammengestellt mit einigen wichtigen Dokumenten und einem Nachwort des ausgewiesenen Gogol-Kenners Bodo Zelinsky.