Das Buch "Der Report der Magd" von Margaret Atwood erzählt die Geschichte eines totalitären Regimes namens Gilead im US-Staat Maine Ende des 20. Jahrhunderts.
Als Folge des Geburtenrückgangs durch empfängnisverhütende Mittel, Unfälle in Kernkraftwerken und Lagern für biologische und chemische Waffen, sieht sich die Regierung gezwungen, die Gesellschaft neu zu ordnen. Sie überlegt sich einen Zuchtplan, der junge, gesunde und fruchtbare Frauen dazu zwingt, als Gebärmaschinen zu fungieren. Schon vorher gab es künstliche Befruchtung, Fruchtbarkeitskliniken und Leihmütter. Gilead ächtet die ersten beiden Möglichkeiten als irreligiös, legitimiert aber die dritte unter Berufung biblischer Präzedenzfälle. Die austragenden Frauen gelten jedoch als ungeeignet für die Kindererziehung. Deshalb werden die Kinder konfisziert und von kinderlosen Ehepaaren der oberen Schicht adoptiert. Sterile oder unwillige Frauen werden als "Unfrauen" in die Kolonien verschifft, wo sie für die Beseitigung von Giftmüll zuständig sind. Um diese Neuordnung durchsetzen zu können, waren die Regierenden dazu gezwungen, die Frauen zu entmündigen. Ihre Konten wurden eingefroren und es war ihnen verboten, zu arbeiten.
Die Regierung, die "Söhne Jakobs" genannt wird, ist für die Bildung einer Philosophie und Sozialstruktur Gileads zuständig. Sie besteht aus den Kommandanten, die wiederum als einzige verheiratet sein dürfen. Über ihnen stehen nur noch die so genannten Augen, eine Art Staatspolizei, die mit Hilfe ihrer zahlreichen Spione und Wächter jedes Vergehen bemerkt und bestraft. Gerichte oder Anwälte gibt es nicht mehr. Die Heerschar der Engel ist das Heer Gileads, das sich im Krieg mit anderen Ländern befindet, die Gilead missionieren will. Es besteht ausschließlich aus jungen, gesunden Männern, denen es jedoch versagt ist, zu heiraten. Die Ehefrauen haben kaum Pflichten, sie sind eine Art Statussymbol. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, den Haushalt zu überwachen und Kinder zu erziehen. Sie haben die Aufsicht über die Marthas und Chauffeure, sowie über die Mägde. Marthas sind Dienstmädchen. Sie kochen, waschen und bügeln. Einkaufen dürfen sie jedoch nicht, das ist den Mägden vorbehalten. Diese dürfen jedoch niemals alleine ausgehen, sondern nur in Begleitung einer anderen Magd. Dies ist für sie die einzige Möglichkeit, einmal aus dem Haus heraus zu kommen. Das Einkaufen ist aber nur eine Nebenaufgabe. Eigentlich sollen sie mit den Kommandanten Kinder zeugen. Bei diesen rituellen Befruchtungsakten ist die Ehefrau jedoch immer zugegen. Polygamie oder Mätressen gibt es aber nicht. Mägde werden lediglich als Gefäße angesehen, in denen die Kinder bis zur Geburt heranwachsen. Um jegliche Attraktivität zu unterbinden, tragen sie rote, weite Gewänder und weiße scheuklappenähnliche Hauben. Ihnen ist jegliche Privatsphäre, jeder persönliche Besitz untersagt. Lesen, Schreiben, Musik oder Genussmittel, wie Zigaretten oder Alkohol, sind verboten. Monatlich werden sie auf Unfruchtbarkeit und Krankheiten untersucht, damit sie keine "Unbabys", also Missgeburten gebären.
Die weibliche Kontrollinstitution der Mägde bilden die Tanten, welche sie auch in traditionellen Werten erziehen. Sie sind kinderlose, unfruchtbare, ältere, ledige Frauen, deren Schicksal sonst die Kolonien wären.
Das "Erretten" bedeutet das öffentliche Hängen und zur Schau stellen von Verbrechern unterschiedlichster Art. Auch von drakonischen Strafen wie zum Beispiel dem Handabhacken bei einer Lesbierin wird Gebrauch gemacht. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass es mehrere rebellische Zusammenschlüsse gibt, wie die Rettungsorganisation der Untergrund-Frauenstraße oder paramilitärische Gruppen wie der Mayday- Untergrund. "Der Report der Magd" ist die brilliante Geschichte einer Magd namens Desfred in Gilead, die, jeglicher Intimität und Würde beraubt, von den Geschehnissen um sie herum, aber auch von ihren Bedürfnissen berichtet.
Der Roman ist absolut mitreißend. Düstere Szenen werden von den fröhlichen Bildern ihrer Erinnerung abgelöst. Desfreds Geschichte ist der Hilferuf einer Frau, der jeder Umgang, ganz gleich ob Gespräche oder Berührungen mit anderen Menschen, untersagt ist. Ihre Lage ist so plastisch und eindringlich beschrieben, dass es dem Leser leicht fällt, sich in die Personen hinein zu versetzen. Ein schockierendes, aber um so mehr lesenswertes Buch, das Wege und Mittel aufzeigt, die Zwänge einer totalitären Gesellschaft zu umgehen. Margaret Atwood hat eine einzigartige Utopie geschaffen, die ihresgleichen sucht.