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Desfred, die als Gebärmaschine im Haus eines Kommandanten- eines Mitgliedes der Führungsschicht augenscheinlich- lebt, beschreibt rückblickend aus ihrem persönlichen Alltag heraus einen Staat, in dem eine strenge Diktatur die Menschen zweckmäßig einteilt, permanent kontrolliert und mit drastischen Methoden über die Systemkonformität wacht.
Dabei stellt die Ich-Erzählerin das Dasein in diesem Staat Gilead, der im übrigen konkret als Produkt einer Art Revolution in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts präsentiert wird und sich so auch als Konsequenz aus realen Anfängen entlarvt, als düsteres, anonymes und isoliertes Vorsichhindämmern dar. Nicht ein Protagonist, auch Desfred nicht, wird idealisiert oder zum Helden der Geschichte proklamiert. Die jetzige Magd war früher Studentin, kein besonders guter oder besonders böser Mensch- aber jetzt scheint sie fast als seelisches Wrack, zumindest gleichgültig.
Es ist schwierig, das Buch zu bewerten oder zu analysieren, ohne zu viel vom Inhalt preiszugeben, deshalb sei nur noch ein Kunstgriff der Autorin erwähnt, der die Intensität der Geschichte und den faden Nachgeschmack noch bitterer erscheinen lässt: Das letzte Kapitel beinhaltet die Darstellung einer Gelehrtenkonferenz, die ca. 200 Jahre nach dem Ende des Staates Gilead stattfindet. Es ergibt sich eine distanzierte Rückbetrachtung der Mechanismen und Inhalte dieses Systems, die seriös wirkt, aber konsequent am Kern dessen, was Desfred als persönliches Schicksal durchlitten hat, vorbeisieht- so, als würden in 150 Jahren die Forscher das Dritte Reich als spleenige, singuläre Episode der Historie verharmlosen. Hier scheint die Autorin den moralischen Zeigefinger ein letztes Mal zu heben und die Wichtigkeit der ständigen Bewusstmachung und Nichtverfälschung der Vergangenheit anzumahnen.
Was dieses Buch an sprachlicher Leichtigkeit und Virtuosität vermissen lässt, das wiegt die Eindringlichkeit des Inhalts, die sich gerade durch die unmittelbare Unaufdringlichkeit auszeichnet, allemal auf.
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