Giorgio Bassani Der Reiher WAT
ISBN 380312574X
Ferrara ist eine oberitalienische Stadt in der östlichen Poebene in der Region Emilia ' Romagna.
Hier lebt Edgardo Limentani mit Frau und Tochter.
Das Ende des Krieges liegt gerade zwei Jahre zurück.
Edgardo ist Jude und war in der Schweiz, um die Jahre der Verfolgung zu überstehen. Er stammt aus dem reichen jüdischen Bürgertum und ist Rechtsanwalt.
Als Gutsbesitzer hatte er vor dem Krieg keine Sorgen.
Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Ehemalige Nazis und Kommunisten haben das politische Klima in Italien verändert. Die alte bürgerliche Ordnung ist vorbei, die Landarbeiter befinden sich im Aufruhr.
An einem frühen Morgen zieht es Edgardo hinaus zur Jagd.
Eine kurze Unterhaltung mit seiner Frau Nives lässt vermuten, dass sie sich nicht besonders gut sind. Er wirkt entfremdet, als er sich zum Abschied seine schlafende Tochter betrachtet: Rory ist sieben Jahre alt.
Im Morgengrauen verlässt er die Stadt. Etwas zögerlich noch macht er Station, um zu frühstücken und sich einen Helfer für die Jagd zu suchen.
Voller Unsicherheit bewegt sich Edgardo durch die veränderte Welt der Nachkriegszeit und weiß nicht mehr, was seinen Lebenssinn ausmachen könnte.
Auf der Jagd nach Wildvögeln und Enten in den Valli, einer weitläufigen Lagune mit einzelnen Becken, auch Sümpfen, lässt sich prächtig jagen. Edgardo hängt seinen Gedanken nach, und ein Reiher, der angeschossen noch weiter fliegen will, erregt seine Aufmerksamkeit. Fast ist ihm, als lege er auf sich selber an, wenn er ihn endgültig erschießt!
Die Erzählung bewegt sich auf einer reflektierenden Ebene.
Durch die Augen des Protagonisten erlebt man eine Welt, die ihn ratlos macht.
Der kleine Roman des großen alten Mannes der Dichtkunst in Italien, Georgio Bassani, ist geprägt von Zügen der Melancholie und Resignation.
Der zweite Weltkrieg und der Faschismus in Italien haben Erschütterungen ausgelöst, die bei den Menschen ihre Spuren hinterlassen haben. Edgardo wird als sichtlich lebensmüder Mann geschildert, obwohl er erst in den Vierzigern ist.
In seinen Reflexionen beschwört Bassani eine Atmosphäre herauf, die der Realität der Zeit entspricht.
Da der sensible Held die Gedanken seines Erfinders widerspiegelt, der selber im Widerstand gestanden hat, und der Verfolgung und Gefängnis am eigenen Leibe erfahren hat, bietet die Erzählung ein Zeugnis der Emotionen, mit denen man in die neue Zeit gestartet ist.
Bassani ist Poet und Lyriker. Er hat die feine und differenzierte Sprache, mit der er Gefühle wortreich ausdrücken kann. Sein Held wirkt Mitleid erregend in seiner Verlorenheit und in seiner Einsamkeit. Im Angesicht der herrlichen Naturbeschreibungen in der Lagune wirken seine Gefühle kontrastreich: Leben und Sterben liegen dich beieinander!
Feinsinnig und tiefenscharf ist das kleine Werk.
Mit seinem schönsten Buch, Die Gärten der Finzi - Contini, gelangte Bassani zu Weltruhm. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet.