Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einem weiteren kurzweiligen historischen Roman. Doch der Rechenmeister entpuppte sich als ein stilistisches Leckerli. Die Story ist eigentlich weniger ergiebig und nur mäßig spannend. Wäre sie in der gebräuchlichen Schreibweise des Genres verfasst, hätte ich das Buch vermutlich bald zur Seite gelegt.
Das unterhaltende für mein Dafürhalten ist die Verknüpfung der verschrobenen Gedankenwelt eines Sonderlings mit der Erzählung in der dritten Person. Oder anders gesagt: Obwohl nicht in der Ich-Form geschrieben, wurzeln alle Beschreibungen in den etwas spleenigen Gedankengängen und Betrachtungsweisen dieses schrägen Genies Niccolo Tartaglia. Das macht das Buch sehr menschlich, sehr einfühlsam, und verleiht ihm eine subtile Form von Humor.
So ist dieser Roman für mich nicht in erster Linie ein Buch über Mathematik, schon gar nicht ein „...spannender historischer Wissenschaftsthriller...", wie es eine Pressekritik formulierte, sondern ein kurzweiliges Bild des Venedig im 16. Jahrhundert, gesehen durch die Augen eines liebenswert schrulligen Zeitgenossen.